2017 haben knapp 60.000 Menschen studiert, ohne vorher das Abi oder Fachabi gemacht zu haben - so viele, wie noch nie. Sogar Medizin kann man ohne Abitur studieren. Unsere Reporterin hat sich die verschiedenen Möglichkeiten angesehen. 

Laut einer Untersuchung des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) hat sich die Zahl derjenigen, die ohne Abi oder Fachabi an den deutschen Universitäten und Fachhochschulen studieren in den vergangenen zehn Jahren vervierfacht. "Es wird anscheinend immer bekannter, dass es diese Möglichkeit gibt", sagt unsere Reporterin Verena von Keitz. Wer kein Abitur hat, muss für ein Studium eine abgeschlossene Berufsausbildung und mehrjährige Berufspraxis nachweisen. Eine Meisternote kann die Abinote ersetzen. 

Sehr beliebt: die Fernuni Hagen

Die Hochschule mit den meisten Erstsemestern ohne Abitur ist laut Studie die Fernuniversität Hagen mit rund 1500 Studierenden.

Bei der Fächerwahl entschied sich mehr als die Hälfte der Erstsemester ohne Abitur für Rechts-, Wirtschafts- oder Sozialwissenschaften, rund 20 Prozent schrieben sich in Ingenieurwissenschaften ein, etwa 11 Prozent studieren Medizin und Gesundheitswissenschaften.

"Mehr als die Hälfte der Erstsemester ohne Abi hat sich 2017 für den Bereich Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften entschieden."
Verena von Keitz, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Grundsätzlich ist der Ansturm auf Medizinstudienplätze enorm - an vielen Universitäten gilt deshalb ein Numerus Clausus. Rund 800 Studierende haben es aber auch ohne Abitur geschafft, ein Medizinstudium zu beginnen. Die Unis regeln den Zugang zu ihren Studiengängen unterschiedlich: An der Ruhr-Universität-Bochum beispielsweise regelt eine Zugangsprüfung die Zulassung für "Bewerber mit fachaffiner Ausbildung". Auf studieren-ohne-abitur.de gibt es mehr Informationen und außerdem ein Infoblatt (PDF), speziell für das Studium der Medizin und Pharmazie.

Lernen statt arbeiten

Robert Marks ist einer derjenigen, der ohne Abi studiert - und zwar Chemie, an der Uni Duisburg-Essen. In der Sendung Campus & Karriere sagte er, es sei schon gewöhnungsbedürftig, wieder richtig lernen zu müssen, statt zu arbeiten. Die Situation als Erstsemester war für ihn zunächst sehr ungewohnt, auch, weil er älter ist, als seine Mitstudierenden. Er sagt: "Ich kann jeden nur dazu ermutigen, diesen Schritt zu machen."

"Ich kann jeden nur dazu ermutigen, diesen Schritt zu machen, auch, wenn es am Anfang so scheint, dass es eine unüberwindbare Hürde ist."

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