In Stuttgart wurde die Feinstaub-Obergrenze dieses Jahr schon 34 Mal überschritten. Jetzt sollen Mooswände in der Stadt als Filter eingesetzt werden.

Moose sind zwar sehr klein, aber sie haben extrem viele Blätter. Alles in allem bilden diese unzähligen kleinen grünen Blätter eine große Oberfläche. Anders als alle anderen Pflanzen bilden Moose keine Wurzeln. Das heißt: Wenn sie sich mit Wasser und Nährstoffen versorgen, dann nehmen sie die über die Oberfläche der Blätter auf.

"Wenn sie ein lebendes Moos haben wollen, dann muss das in gewissen Abständen befeuchtet werden, damit es wieder wachsen kann."
Martin Nebel

Damit das Wasser auch wirklich eindringen kann, ist die Blattoberfläche von Moospflanzen sehr durchlässig. Und genau das prädestiniert sie dazu, feine Partikel aus der Luft aufzunehmen und zu verarbeiten, erklärt Martin Nebel, Moosforscher am Naturkundemuseum Stuttgart.

Die 100 Meter lange Mooswand

So ganz genau weiß noch niemand, was die Moose mit Feinstaub machen. Darum ist die geplante Mooswand entlang einer befahrenen Straße in Stuttgart ein Pilotprojekt. Sie soll erst einmal Daten liefern, mit deren Hilfe dann später ganz gezielt der Feinstaub eingefangen werden kann.

Moose sind ziemlich hart im Nehmen. Sie können auch längere Trockenperioden aushalten, ohne jeden Tag gegossen zu werden. Sie trocknen aus und fahren die Photosynthese zurück. Beim nächsten Regen saugen sie sich dann wieder mit Wasser voll und starten den Stoffwechsel erneut. Darum sind Moose für so eine Mauer neben der Straße gut geeignet.

"Da, wo viele Moose wachsen, geht es den Menschen gut. Da, wo keine Moose wachsen, geht es Menschen schlecht."
Martin Nebel

Feinstaub enthält viele Mineralstoffe und Stickstoffverbindungen. Die nimmt das Moos dann über die Blätter auf und verstoffwechselt sie. Am Ende werden die Stoffe - zum Beispiel auch Schwermetalle - im Humus unter dem Moosbett eingebunden und festgehalten.

Der Moosforscher Martin Nebel sagt, dass Moose so eine Art Indikator für die Umweltbedingungen eines Ortes sind. In den ehemaligen Braunkohleabbaugebieten der DDR habe es überhaupt keine Moose mehr an den Bäumen gegeben - als Folge der Luftverschmutzung.