Einnahmen für Assad und gute PR: Unsere Expertin für Syrien erklärt, warum ausländische Gäste für Syriens Machthaber wichtig sind – und eigentlich zu Hause bleiben sollten.

Ein französisches Reiseunternehmen bietet Reisen nach Syrien an – es ist seit Beginn des Syrienkriegs 2011 das erste Angebot dieser Art in Europa. Syrien ist in weiten Teilen vom Krieg zerstört – auch die antiken Stätten. Im Norden wird immer noch gekämpft. Gleich mehrere Reisetermine werden über das Jahr verteilt angeboten. Die Kampfgebiete sparen die jeweils zehntägigen Reisen aus. Die Touristen sollen unter anderem Basra, Damaskus, Homs und Palmyra besichtigen.

Das französische und weitere europäische Außenministerien warnen weiterhin vor Reisen in das Land – mit gutem Grund, meint Kristin Helberg. Sie ist Journalistin und Expertin für Syrien. Tatsächlich müssen die Reisenden streckenweise von der Polizei eskortiert werden. Kristin Helberg erinnert an die andauernde Willkürherrschaft des Assad-Regimes. Die Polizei ist für sie ein Teil des Problems, weil sie die Macht Assads sichert – auch mit Gewalt.

Zwischen Propaganda und Zynismus

Das Regime profitiere gleich doppelt von den Reisen: Zum einen wirtschaftlich, weil viele Hotels in staatlichem Besitz sind. Zum anderen erfüllen Reisen nach Syrien auch einen propagandistischen Zweck. Sie signalisieren: Da ist es sicher und schön, sagt Kristin Helberg. Für Syrer, die im Exil leben und deren Angehörige sich in Haft befinden, sei eine Tourismusreise nach Syrien nur zynisch.

"Es ist keine ganz normale Reise, sondern ein großes Risiko."
Kristin Helberg, Journalistin und Expertin für Syrien

Kristin Helberg kritisiert, dass ein solches Reiseprogramm genau jene Normalität vorgaukelt, die im Interesse des Regimes ist. Der Tourismus sei eine wirksame PR-Maßnahme, und an der Oberfläche wirke das Land – verglichen mit Kriegszeiten – ruhig. Trotzdem werde man bei einer solchen Reise die zerstörten Städte nicht umgehen können.

"Man wird an Städten und Stadtteilen vorbeikommen, die in Schutt gebombt wurden. Unsichtbar ist der Krieg nicht geblieben."
Kristin Helberg, Journalistin und Expertin für Syrien

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