Ein Ende des Krieges in Syrien ist nicht abzusehen. Viele fragen sich daher: Wieso greifen die Vereinten Nationen nicht endlich ein?

Seit sechs Jahren tobt der Krieg in Syrien. In der vergangenen Woche kamen bei einem mutmaßlichen Giftgasangriff mehr als 80 Menschen ums Leben. Als Vergeltung bombardierte US-Präsident Donald Trump eine Militärbasis der syrischen Regierung. Viele feiern ihn dafür, dass endlich etwas getan wird.

"Zahnloser Tiger"

Angesichts der nicht enden wollenden Gewalt fragen sich viele: Wieso greifen die Vereinten Nationen (UN) nicht stärker ein?

"Die Vereinten Nationen sind ein zahnloser Tiger", sagt DRadio-Wissen-Historiker Matthias von Hellfeld. Das liege vor allem an der Struktur der Organisation: "Sie ist eine supranationale Organisation", sagt Matthias von Hellfeld. Das heißt: Wenn eine Blauhelmtruppe in ein Krisenland entsandt werden soll, müssen sich aus dem Mitgliedskreis einzelne Länder bereiterklären, Truppen zu stellen. Erst dann kommt eine Mannschaft zusammen, die im Auftrag der Vereinten Nationen tätig werden kann. 

"Es ist die Vereinbarung auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner, der da lautet: Wir sind für Frieden und Sicherheit in der Welt."
DRadio-Wissen-Historiker Matthias von Hellfeld

Ein weiteres Hauptproblem: Um eine Blauhelmtruppe überhaupt entsenden zu können, muss der Sicherheitsrat eine entsprechende Resolution verabschieden. Der müssen die fünf Veto-Mächte Frankreich, Großbritannien, USA, China und Russland aber einstimmig zustimmen. "Wenn einer Nein sagt, dann ist Nein", sagt Matthias von Hellfeld.

Ohne Resolution keine Blauhelme

Da es im Syrienkonflikt unterschiedliche Ansichten über die syrische Regierung und Präsident Baschar al-Assad gibt, ist klar: Eine Resolution, die von allen getragen wird, wird es wohl nicht geben.

"Es muss eine Resolution her, die dann von der Völkergemeinschaft getragen wird."
Matthias von Hellfeld

In den vergangenen vier Jahren gab es dennoch immer wieder Versuche, den Krieg zumindest zu entschärfen, sagt Matthias von Hellfeld. Es gab eine Forschergruppe, die den Giftgasangriff im Sommer 2013 aufklären sollte. Ein Jahr später gab es eine Friedenskonferenz, an der Opposition und Regierung teilnahmen. Im Jahr 2015 wurde eine Resolution verabschiedet, die besagte, dass die Friedensgespräche wiederaufgenommen werden sollten. Außerdem gibt es  Verhandlungsrunden in Genf , die unter der Leitung von UN-Vermittler Staffan de Mistura geführt werden.

"Die Vereinten Nationen haben versucht, diesen Konflikt mit dem, was sie selbst haben, nämlich dem Wort, nicht mit der Waffe zu entschärfen."
DRadio-Wissen-Historiker Matthias von Hellfeld

Versuche, zwischen den Konfliktparteien zu vermitteln, gab und gibt es also durchaus. Allerdings stelle sich angesichts der Dimension des Krieges die Frage, ob Worte den Konflikt noch lösen können, sagt Matthias von Hellfeld. "Deswegen kann Donald Trump jetzt sagen: Ich bin jetzt der große Held, ich tue mal was. Und damit wird er vermutlich vielen Amerikanern und vielen anderen Leuten aus dem Herzen gesprochen haben."