Griechenland verbietet Eselreiten für schwere Touristen. Das freut Tierschützer. Unser Reporter Johannes Döbbelt hat nachgefragt, was hinter der Entscheidung steht und wie es eigentlich bei Elefanten und Kamelen aussieht.

Auf der griechischen Insel Santorin befördern Esel und Maultiere jeden Tag Touristen aus aller Welt unter üblen Bedingungen vom Meer aus die Steilküste hoch. Tierschützer kritisieren das schon lange. 

Jetzt haben sie Erfolg. Die griechische Regierung hat entschieden: Wer mehr als 100 Kilo wiegt, darf sich nicht mehr auf den Rücken eines Esels setzen. Die Last der Tiere darf grundsätzlich nicht mehr als ein Fünftel ihres Körpergewichts betragen.

Esel mit offenen Fleischwunden

Auf den ersten Blick machen die Esel von Santorin auf unseren Reporter noch einen guten Eindruck – trotz ihrer schweren Last. Die Fotos und Videos, die Tierschützer gemacht haben, zeigen ein anderes Bild. Manche der Tiere haben offene Wunden am Bauch und am Rücken, wo der Sattel scheuert, oder am Maul, wo das Reitgeschirr scheuert. Johannes hat mit June Newby gesprochen, die sich schon länger für die Esel und Maultiere auf Santorin einsetzt.

Sie betreut die Facebookseite Help the Santorini Donkeys. June Newby meint, dass Touristen grundsätzlich nicht auf Eseln reiten sollten. Die übergewichtigen Touristen sind bei dem extrem steilen Aufstieg auf Santorin ein besonderes Problem. Sie sollten ohnehin besser zu Fuß gehen, meint sie.

"Don’t ride the donkeys, walk! Use your legs, do not ride the donkeys, especially, if your’re overweight."
June Newby von Help the Santorini Donkeys

Außerdem haben June Newby und andere Tierschützer beobachtet, dass viele der Eseltreiber ihre Tiere schlecht behandeln, um sie gefügig zu machen. Sie kriegen nur wenig Futter und wenig Wasser.

"They don't allow them to drink, when they need water, because it makes them a bit lively. They like to keep them suppressed so that they don’t kick off. And they don't have the shade."
June Newby von Help the Santorini Donkeys

Im Urlaub werden ganz normale Menschen plötzlich zu ambitionierten Reitern, hat Johannes beobachtet. Daniela Freyer ist Biologin für die Organisation Pro Wildlife. Sie hat eine Vermutung, warum das so ist: Lust am Kaufen eines Urlaubsereignisses und Unwissenheit.

"Zum einen gehört so was leider zur Shopping-List, die man im Urlaub abarbeitet. Zum anderen handelt es sich sicher häufig auch um tierliebe Menschen, die nicht wissen, dass sie den Tieren damit keinen Gefallen tun."
Daniela Freyer, Biologin bei der Tier- und Naturschutzorganisation Pro Wildlife

Auf der To-Do-Liste vieler Asien-Urlauber steht das Elefanten-Reiten ganz oben. In Thailand oder Sri Lanka kann man vielerorts eine Tour auf einem Elefanten buchen oder er ist schon im Komplettpaket des Reiseveranstalters enthalten. Einige der Tiere sind zwar ehemalige Arbeitselefanten, viele Elefanten stammen jedoch aus freier Wildbahn und werden mit Gewalt gefügig gemacht, sagt Daniela Freyer.

"Es ist wirklich eine riesige Tierquälerei, weil Elefanten mit Schlägen, mit Wasserentzug und Futterentzug gefügig gemacht, bis sie sich dem Willen des Menschen unterwerfen."
Daniela Freyer, Biologin bei der Tier- und Naturschutzorganisation Pro Wildlife

In Thailand und anderen Ländern in Südostasien gibt es zwar auch Elefantencamps oder Auffangstationen, die ihre Tiere gut behandeln. Doch die sind gar nicht so einfach auszumachen. Manche geben sich als Elefanten-Waisenhaus aus, obwohl sie gar keines sind. Ein Zeichen für eine gute Station laut Pro Wildlife ist, wenn Touristen die Elefanten dort nur beobachten können und es keinen direkten Kontakt zwischen Mensch und Tier gibt.

"Sie können die Tiere dort nicht streicheln und füttern, sondern sie werden wirklich artgerecht gehalten und auf ein Leben in Freiheit vorbereitet."
Daniela Freyer, Biologin bei der Tier- und Naturschutzorganisation Pro Wildlife

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