In den kommenden Jahren soll bei Aldi Schluss sein mit Billigfleisch – zumindest was Frischfleisch betrifft. Umweltorganisationen halten den Schritt für angebracht, ein staatliches Tierwohllabel ersetzen die Pläne des Unternehmens aber nicht.

Die Supermarktkette Aldi möchte nach eigenen Angaben in Zukunft mehr auf das Tierwohl und Nachhaltigkeit setzen und werde deshalb ab 2030 nur noch Frischfleisch verkaufen, das eine bessere Tierhaltung voraussetzt.

Nachdem das Unternehmen seinen Plan Ende Juni 2021 bekannt gegeben hat, sind auch Konkurrenten wie Edeka, Rewe, Kaufland und Lidl mit ähnlichen Ankündigungen nachgezogen.

"Es geht nur um Frischfleisch. Das macht etwa ein Drittel des gesamten Fleischmarkts aus."
Katharina Peetz, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Nach einer Marktanalyse der Verbraucherzentrale für 2020 haben 13 Prozent des Frischfleischs in den Supermärkten der großen Ketten die Haltungsformen drei und vier erfüllt, auf die sich Aldi in seiner Ankündigung bezieht.

Das vierstufige System der Haltungsformen haben einige Einzelhändler gemeinsam definiert und im April 2019 als einheitlichen Richtwerte eingeführt. Es bezieht sich auf Fleisch von Schweinen, Rindern, Hühnern und Puten, das in Kühlregalen zur Selbstbedienung liegt.

Die Formen sind:

  1. Stallhaltung: Hier wird der gesetzliche Mindeststandard für die Haltung von Schweinen und Masthühnern erfüllt. Für Rinder und Puten gibt es keine gesetzlichen Haltungsvorschriften, daher greift die erste Stufe auf Haltungsformen zurück, die in der Industrie für Rinder und Puten üblich sind.
  2. Stallhaltung Plus: Die Tiere haben etwas mehr Platz in den Ställen, bei Schweinen sind es beispielsweise zehn Prozent mehr.
  3. Außenklima: Der Platz für die Tiere im Stall ist größer. Zusätzlich gibt es für sie einen Außenbereich, oder eine Stallseite ist geöffnet. Das Futter muss frei von gentechnisch veränderten Pflanzen sein sein.
  4. Premium: Hier haben die Zuchttiere den größtmöglichen Platz und auch Auslauf an der frischen Luft.

Die neuen Pläne der Einzelhändler deuten Organisationen wie Greenpeace oder der Deutsche Tierschutzbund erst einmal als starkes Signal. Würden weitere Discounter nachziehen und Fleisch aus den Stufen drei und vier anbieten, würde das die Nachfrage bei den Landwirtinnen und Landwirten entsprechend erhöhen.

Aktuell zählen rund 50 Prozent der Frischfleischprodukte zur Stufe eins und etwa 36 Prozent zur Stufe zwei, so die Verbraucherzentrale.

Plan ist da, jetzt braucht es Verbindlichkeit

Mit ihren Plänen für mehr Tierwohl, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Katharina Peetz, könnten die Supermarktketten Landwirte also unter Druck setzen, stärker auf die höheren Haltungsformen zu setzen.

Dafür brauchen sie aber auch konkrete Angebote und Verbindlichkeit seitens der Unternehmen, die über die bloße Ankündigung hinaus gehen, erklärt Jutta Jaksche von der Verbraucherzentrale. Wie die neuen Standards dann zu definieren sind, müsse wiederum die Politik klarmachen. Auf ein staatliches Tierwohllabel konnte sich die aktuelle Bundesregierung bislang nicht einigen.

"Der Handel hat jetzt einfach Fakten geschaffen. Was die Landwirte aber brauchen, sind konkrete Angebote und Planungssicherheit, das geht eigentlich nur über langfristige Verträge."
Jutta Jaksche, Verbraucherzentrale Bundesverband

Der Deutsche Bauernverband hält für den Wandel hin zu mehr Tierwohl neben einer fairen Bezahlung für Landwirtinnen und Landwirte den Stallumbau für entscheidend. Dieser müsse einfach umsetzbar sein.

Seien die Kosten für einen Stallumbau beispielsweise zu hoch oder die Planungssicherheit zu gering, hält der Deutsche Bauernverband es auch für denkbar, dass manche Landwirte weiter Fleisch in den unteren Haltungsstufen produzieren oder stärker auf den Export setzen. Daher solle der Handel auch bei anderen Fleischprodukten auf höhere Haltungsformen setzen, nicht nur bei Frischfleisch, so der Verband.