Was passiert mit Versuchstieren, wenn ihre Zeit als Versuchstier vorbei ist? Allein in Deutschland wurden im Jahr 2017 zwei Millionen Tiere in Tierversuchen eingesetzt. Doch nur für wenige gibt es ein Leben danach.

Klar, über Tierversuche an sich wird schon viel gestritten. Aber kaum jemand redet darüber, was mit den Tieren passiert, mit denen Versuche gemacht wurden.

Mehr als zwei Millionen Versuchstiere in Deutschland

In der Statistik des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft sind zwei Millionen Versuchstiere aufgeführt. So viele Versuchstiere gab es in Deutschland im letzten Jahr. Hinzu kommen allerdings noch weitere 740.000 Tiere, die ohne Experiment, aber für wissenschaftliche Zwecke getötet wurden – zum Beispiel, um ihnen Organe zu entnehmen.

Die meisten Tiere werden noch im Labor getötet

Was mit den Tieren danach passiert, steht in der Statistik hingegen nicht so deutlich. Für die meisten endet die Zeit im Versuchslabor mit dem Tod. Und in vielen Fällen muss man es wohl auch als Erlösung betrachten, beispielsweise, wenn die Tiere für die Krebsforschung eingesetzt wurden und so große Tumore haben, dass Schmerzmittel nicht mehr helfen, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Carolin Born.

"Manche Tiere werden am Ende der Versuche quasi 'erlöst', weil es ihnen so schlecht geht."
Carolin Born, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Manche Tiere sind auch gentechnisch verändert und dürfen das Labor sowieso nicht verlassen. Sie werden dann dort direkt getötet. Andere werden getötet, damit ihre Organe nach dem Tod noch untersucht werden können – was sehr umstritten ist, denn das Tierschutzgesetz verbietet es, einem Tier ohne vernünftigen Grund Schaden zuzufügen. Tierschützer sagen: Der Tod ist der größtmögliche Schaden für ein Tier.

Tiere zu töten, bewahrt andere Tiere vor weiteren Versuchen

Eine andere Sicht haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die Tierversuche durchführen. Roman Stilling von der Initiative "Tierversuche verstehen" will über Tierversuche informieren und damit die Notwendigkeit von Tierversuchen verdeutlichen. Er sagt: "Es braucht neben dem Versuch am lebenden Tier auch die Untersuchung nach dem Tod. Dadurch lassen sich nochmal viele Informationen gewinnen und das bewahrt andere Tiere vor weiteren Versuchen."

"In manchen Fälle ist das Tier zu töten im Sinne des Tierschutzes. Denn dadurch lassen sich aus einem Tier mehrere Erkenntnisse gewinnen und es müssen weniger Tiere eingesetzt werden."
Roman Stilling, von der Initiative Tierversuche verstehen

Roman Stilling betont, dass es immer eine schwierige ethische Abwägung sei, wobei sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler allem voran die Frage stellen: "Welchen Nutzen haben wir und wie steht der im Verhältnis zu dem Tierleid, das wir erzeugen?"

Beagle können nach der Laborzeit weiter vermittelt werden

Beispiele von Tieren, die nach ihrer Zeit als Versuchstier noch die Chance auf ein zweites Leben bekommen, gibt es wenige. Sehr wenige.

Es gibt ehemalige Versuchsaffen, die in einem Tierheim in Berlin untergebracht sind. In Österreich gibt es auch eine Art Gnadenhof für Labor-Schimpansen. Etwas vergleichbares gibt es in Deutschland nicht. Aber es gibt ein paar Initiativen, die Labortiere an Privatpersonen weitervermitteln. Meist sind das Beagle.

Beagle gelten als robuste und freundliche Tiere – das ist einerseits ihr Pech, weil sie aus diesem Grund gerne zu Versuchszwecken eingesetzt werden. Auf der anderen Seite lassen sie sich danach gut weitervermitteln, etwa an Familien.

"Sie sind zwar am Anfang zurückhaltend und es braucht Geduld. Aber sie wollen irgendwann alles entdecken, weil sie bisher ja nur das Labor kennen."
Carolin Born, Deutschlandfunk Nova
Ehemalige Versuchstier-Beagle und ihre Besitzer.
© dpa
Ehemalige Versuchstier-Beagle und ihre Besitzer.

Den Menschen, die Beagle aus dem Labor in Familien vermitteln, wird manchmal vorgeworfen, dass sie auf diese Weise Tierversuche unterstützen. Ihnen geht es aber vornehmlich darum, die Tiere zu retten, sagt Gabriele Suhr von der Laborbeaglehilfe. Sie ist gegen Tierversuche und versucht, in ihrer Arbeit nicht die ganze Zeit daran zu denken, wie viele Hunde dabei sterben. Ein Trost für sie ist, dass die Tiere in den Laboren, mit denen sie zusammenarbeitet, relativ gut betreut werden

"Beim Abholen der Tiere fließt so manche Träne. Denn da gibt es ja auch Hunde, die sich an ihre Tierpfleger anschließen und wo es dann der Tierpflegern schwer fällt, diese Hunde rauszugeben."
Gabriele Suhr von der Laborbeaglehilfe

Ein paar Versuchstiere finden also am Ende ein richtiges Zuhause. Aber das betrifft nur einen ganz kleinen Teil, der Rest stirbt in den Laboren.