Tiktok ist auch in den USA erfolgreich, allerdings stammt die App aus China. Trump und andere Politiker haben damit ein Problem und erwägen ein Verbot. Ihre Begründung ist allerdings nicht sehr überzeugend.

US-Präsident Donald Trump zieht in Erwägung Tiktok zu verbieten – eine aus China stammende Social-Media-App, die vor allem bei Menschen unter 24 Jahren beliebt ist und sich in den vergangenen drei Jahren weltweit stark verbreitet hat.

Bei der Suche nach Gründen für Trumps Aversion gegen Tiktok "muss man unterscheiden zwischen der offiziellen Erklärung und Vermutungen", sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Andreas Noll.

"Die Angaben, wie Tiktok mit den Daten umgeht, muss man glauben. Überprüfen lässt sich das nicht."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Offiziell geht es um Sorgen um die nationale Sicherheit. Inwiefern genau Tiktok die Sicherheit beeinträchtigen könnte, wird allerdings nicht näher erläutert. In den Nutzungsbedingungen ist aber vermerkt, dass Daten von TikTok mit dem Pekinger Mutterhaus Bytedance geteilt werden können.

Es ist also denkbar, dass die chinesischen Behörden Druck auf Bytedance ausüben, um an entsprechende Daten zu kommen. Chinesische Behörden könnten dann an sensible Informationen von US-Bürgerinnen und -bürgern gelangen. Im offiziellen Transparenzbericht von TikTok findet sich dazu bislang nichts.

Zudem werden die Daten der internationalen Version von TikTok – die getrennt ist von der chinesischen – auf Servern in Singapur und den USA gespeichert. "Aber das muss man alles glauben. Überprüfen lässt sich das nicht", sagt Andreas Noll.

USA sammeln schon Daten

Sollten chinesische Behörden Daten über zum Beispiel europäische Nutzerinnen und Nutzer sammeln, wäre das vergleichbar mit der Vorgehensweise der USA. Erst kürzlich hat der Europäische Gerichtshof indirekt auch darüber geurteilt, dass Daten von zum Beispiel deutschen Facebook-Nutzerinnen und -Nutzern bei US-amerikanischen Sicherheitsbehörden landen können.

Beziehung zwischen USA und China generell belastet

Weil die Indizien, dass Tiktok für die USA wirklich ein Sicherheitsproblem darstellt, eher schwach erscheinen, liegt es nahe, dass manche US-Politiker noch andere Probleme mit der App haben:

  • TikTok ist die erste chinesische App, die im Westen auch kulturell erfolgreich ist und den großen Plattformen wie Facebook, Instagram und Twitter Konkurrenz macht. Die US-amerikanische Vormachtstellung in Sachen Social Media und generell IT scheint angreifbar zu sein.
  • Das Verhältnis zwischen China und den USA ist aktuell generell eher schlecht.
  • Und dann gibt es auch eine persönliche Dimension: Die erste Wahlkampfkundgebung nach dem Corona-Lockdown von Trump wurde via TikTok sabotiert. Jugendliche in den USA hatten sich über die Plattform verabredet, um Tickets zu reservieren und sie dann verfallen zu lassen. Am Ende kamen nur 6000 Besucher.

US-Version wird womöglich verkauft

Die Zeitung "New York Times" berichtet, dass die chinesische Betreiberfirma Bytedance das US-Geschäft von TiKTok verkaufen könnte. Microsoft soll ein möglicher Interessent sein.