Jayrôme Robinet ist Übersetzer für Deutsch, Französisch und Spanisch - und Transmann. Ihm war früh klar, dass er nicht nur einer Welt angehört. Und genau das ist heute seine Stärke.

Die Männerumkleide im Sport-Studio ist für Jayrôme Robinet ein eher schwieriger Ort: "Ich versuche, meinen nackten Körper nicht in Gemeinschaftsumkleiden zu zeigen", sagt er. Das heißt für ihn: in Sportklamotten im Fitness-Studio ankommen, vielleicht eben Schuhe wechseln, und geduscht wird zu Hause. 

Früher ist Jayrôme gern geschwommen. Das macht er heute selten - es bringt einfach zu viele Probleme mit sich. Das hat weniger mit ihm, als mit den Menschen um ihn herum zu tun, die manchmal – vorsichtig ausgedrückt – unangemessen reagieren und vielleicht einfach überfordert sind, wie er erzählt.

"Verarbeiten und Vergangenheitsbewältigung sind typisch deutsche Wörter."
Jayrôme Robinet, Übersetzer

"Als ich sechs oder sieben Jahre alt war, habe ich meinem Vater gesagt, ich wäre gern ein Junge", erzählt Jayrôme von einer der ersten Reaktionen dieser Art. "Dann musst du zum Militär", hat der Vater geantwortet. Das hält Jayrôme aber nicht wirklich von seinem Weg ab. Als Teenager probiert er sich aus. Er merkt: Er fühlt sich zu Frauen hingezogen. Also glaubt er, dass er lesbisch ist.

Vorurteile und unangenehme Reaktionen

Heute sagt er: "Ich bin bisexuell. Und das ist immer noch schwierig." Was er damit meint, sind wieder die Reaktionen von anderen. Selbst in der eigenen Community gebe es immer noch Vorurteile gegen bisexuelle Menschen - die seien unzuverlässig und sexbesessen. 

"Das war ein Aha-Erlebnis, als ich mich das erste Mal als Jayrôme im Spiegel gesehen habe."
Transmann Jayrôme Robinet

Mit 33 Jahren beginnt Jayrôme eine Testosteron-Therapie. Und er merkt, dass sein Migrationshintergrund auf einmal eine größere Rolle spielt, als zuvor. Seine Erfahrungen hat er in einem Buch aufgeschrieben: "Mein Weg von einer weißen Frau zu einem jungen Mann mit Migrationshintergrund" lautet der Titel.

Jayrôme Robinet lebt in Berlin. Er arbeitet unter anderem an der Alice-Salomon-Hochschule und gibt Kurse für kreatives Schreiben. In Eine Stunde Talk erzählt er uns von seinem Weg, was deutsche Toiletten mit Vergangenheitsbewältigung zu tun haben und was er seiner Oma gerne sagen würde.

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