New York hat einen neuen Hype: "Kin" heißt das Getränk und verspricht Rausch ohne Kater. Ob und wie das gehen kann, erklärt uns Ernährungswissenschaftlerin Maike Ehrlichmann.

Im Wesentlichen sind es zwei Stoffgruppen, die den Alkohol in "Kin" ersetzen sollen – aber eben ohne Nebeneffekte: Adaptogene und Nootropika. Jen Batchelor, Erfinderin des Getränks und Gründerin des Unternehmens Kin Eurphorics, kommt selbst aus der Wellnessbranche, wo diese Stoffe verstärkt genutzt werden. 

"Das sind unscharfe Begriffe, die eher aus dem Wellnessbereich, der Alternativmedizin, kommen."
Maike Ehrlichmann, Ernährungswissenschaftlerin

Es ist schwer zu sagen, ob "Kin" tatsächlich hält, was es verspricht, sagt Ernährungswissenschaftlerin Maike Ehrlichmann. Denn es gebe überhaupt keine Studien zu einem Getränk aus diesem Mix an Stoffen.

Adaptogene und Nootropika sollen "Kin"-Rausch verursachen

Mit Adaptogenen soll der Körper sich zum Beispiel besser an Stress anpassen, sagt Maike Ehrlichmann. Das seien ganz normale pflanzliche Stoffe aus dem Alltag, die unter Fachbegriffen wie Polyphenole oder Terpene laufen. Polyphenole kommen unter anderem in Tee oder Kaffee vor, Terpene zum Beispiel in Zitrusfrüchten. Ein berühmtes Adaptogen ist auch der Ginseng.

"Die sollen Erinnerungsvermögen, Konzentration und Aufnahmevermögen stärken. Das ist aber so in dem Maße nicht nachgewiesen, dass das wirklich funktioniert."
Maike Ehrlichmann, Ernährungswissenschaftlerin über Adaptogene

Nootropika sind wiederum für den Rausch verantwortlich, es gibt sie zum Beispiel in Ginseng-Extrakt. Die Stoffe wirken zum Teil als Schlafmittel oder entspannend. Maike Ehrlichmann sagt, dass bestimmte Nootropika auch in manchen Partyszenen zum Runterkommen genutzt werden.

Andere Phasenverläufe, als beim Alkoholrausch

Die Ernährungswissenschaftlerin glaubt aber nicht, dass der Rausch von "Kin" mit dem Alkoholrausch zu vergleichen ist. Zum einen in Bezug auf den aufdrehenden und in Phasen verlaufenden Effekt, den wir beim Alkoholkonsum haben: Das sei bei den Stoffen des Trendgetränks eher kontrolliert, man nehme das Produkt und das Nervensystem fahre runter.

"Das hat für mich nicht die Phasenverläufe wie beim Alkoholrausch: Wo man langsam aufsteigt und dann boom – kommt die Wodkawand."
Maike Ehrlichmann, Ernährungswissenschaftlerin

Außerdem wird anders konsumiert, sagt sie. Vier Portionen "Kin" seien insgesamt erlaubt. Die Wirkung nach einem Drink setze nach 10 bis 15 Minuten gezielt ein – danach könne der Rausch nur auf einem Level gehalten werden. 

[Das verwendete Bild ist ein Symbolbild, es sind keine Drinks mit "Kin" zu sehen.]

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