"Ich habe kein Problem mit Alkohol". Vielleicht aber doch: Denn US-Forscher haben in einer großen Studie fünf Trinker-Typen identifiziert, die mindestens suchtgefährdet sind. Dazu zählt auch der klassische Partystudent.

Die Daten von 5400 Menschen, die Alkohol trinken, haben die Forscher der University of Pennsylvania untersucht. Das waren Männer und Frauen zwischen 18 und 64 Jahren, von regelmäßigen Party-Trinkern bis zu starken Alkoholikern. Alle zeigten aber ein problematisches Trinkverhalten.

Symptome problematischen Trinkens

Insgesamt definierten die Forscher elf Symptome, die auf ein solches problematisches Trinkverhalten hinweisen, zum Beispiel: 

  • Jemand trinkt mehr oder länger, als er/sie eigentlich vor hatte.
  • Es fällt schwer, den Alkoholkonsum zu verringern.
  • Das Trinken geht mit körperliche Nebenwirkungen einher oder man spürt Entzugserscheinungen, sobald man weniger oder gar nicht trinkt.
  • Jemand trinkt auch weiter, obwohl es gesundheitliche oder persönliche Probleme gibt.

Damit ein problematisches Trinkverhalten vorliegt, müssen nach der Definition der Forscher nur zwei der Symptome vorliegen.

Fünf Typen - Fünf Probleme

Neu an der Studie ist, wie die Forscher unterschiedliche Risiko-Gruppen definiert haben. Dabei haben sie sich an deren Verhalten orientiert und wie stark die negativen Auswirkungen des Alkoholkonsums waren: Von Gruppe 1 bis 5 wird es immer schlimmer.

  • Gruppe 1: Nimmt Nebenwirkungen in Kauf
    Das ist quasi die Kater-Gruppe. Dazu zählten 34 Prozent der untersuchten Personen. Sie zeigten Entzugssymptome nach dem Trinken, ansonsten aber wenige Beeinträchtigungen.
  • Gruppe 2: Riskiert Verletzungen
    Hierzu gehören Menschen, die unter Alkohol Verletzungen erlitten haben oder zumindest riskierten, also Leute, die beispielsweise betrunken schwimmen gehen oder Autofahren. Überrascht waren die Forscher, dass das vor allem auf Menschen ab 58 Jahren zutrifft.
  • Gruppe 3: Trinkt viel, empfindet das Leben aber als geregelt
    Das waren vor allem junge Leute mit einem hochproblematischen Konsum. Auch der Typ Partystudent: Sie gehen viel feiern, Alkohol ist ein wichtiger Teil des Soziallebens. Aber sie haben ihr Leben an den Alkohol angepasst, so dass sie persönlich kaum Einschränkungen wahrnehmen.
  • Gruppe 4: Kann nicht reduzieren
    Dazu gehören Leute vor allem mittleren Alters, die oftmals realisieren, welche negativen Effekte Alkohol für ihr Leben hat, denen es dennoch nicht gelingt, weniger zu trinken.
  • Gruppe 5: Trinkt hochproblematisch
    Diese Gruppe, auf die fast alle Symptome zutreffen, umfasst 7 Prozent der Befragten. Hier sind die Probleme durch Alkohol offensichtlich.

Alkoholprobleme sieht man nicht sofort

Die Forscher wollen mit ihrer Studie auch zeigen, welche unterschiedlichen Gesichter riskanter Alkoholkonsum haben kann und das es eben nicht nur Menschen betrifft, die dem Klischee vom harten Trinker entsprechen.

"Viele Menschen glauben, ein Alkoholiker wäre jemand aus der letzten Gruppe, auf den alle Symptome zutreffen. Krankhafter Alkoholkonsum sieht aber nicht nur aus wie in Gruppe 5, sondern wie in allen Gruppen."

Um sich daran heranzutasten, ob bei einem selbst ein Problem vorliegt, gibt es unterschiedliche wissenschaftlich erarbeitete Fragenkataloge, die ähnlich wie in der aktuellen Studie Problembereiche, Verhalten und Einstellungen abfragen: Wie oft trinkst du? In welchen Situationen ? Einer ist der sogenannte CAGE-Test. Er hat nur vier Fragen, die aber direkt richtig persönlich werden, das zeigt schon diese Frage: Haben andere Personen Sie dadurch geärgert, dass diese Ihr Trinkverhalten kritisiert haben? 

Richtwerte und Regeln

Orientierung geben außerdem die "Zehn Gebote des Trinkens" des Alkoholforschers Helmut Seitz (Ausführlich dazu in unserem Hörsaal "Wann wird das Genussmittel zum Suchtmittel?"). Darin definiert er neben altbekannten Regeln wie "Trinke nicht alleine", Richtwerte dafür, wie viel Alkoholkonsum noch angemessen ist.

Allerdings sollte die Alkoholmenge nie losgelöst von den Umständen des Trinkens betrachtet werden. Das macht auch eine weitere Frage aus dem CAGE-Test deutlich: Haben Sie sich jemals schlecht oder schuldig wegen Ihres Trinkens gefühlt? 

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