Avicii hatte es: Jahrelang litt er an einer Pankreatitis. Chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung, mitverursacht durch Alkohol. In Großbritannien landen immer öfter Jugendliche nach einer durchzechten Nacht im Krankenhaus. Alkohol ist aber nie alleine schuld. 

Alkohol schädigt die Bauchspeicheldrüse. Dabei geht es nicht um das eine Feierabendbier oder den einen Wein in der Abendsonne. 20 Gramm pro Tag, also ein Glas Wein oder eine Flasche Bier, schädigen das Organ noch nicht. Aber alles, was das eine Glas übersteigt, kann die Bauchspeicheldrüse angreifen. Wer dann auch noch raucht, viel Bauchfett oder erhöhte Blutfettwerte hat, erhöht das Risiko noch mal. Aber auch genetische Faktoren spielen eine Rolle, sagt Dagmar Mainz, Gastroenterologin und Sprecherin der niedergelassenen Magen- und Darmärzte.

Schmerzhafte Stiche bis in den Rücken

Wenn die Bauchspeicheldrüse entzündet ist, schmerzt vor allem der obere Bauch und dieser Schmerz strahlt bis in den Rücken, so als würde ein Messer im Bauch stecken. Übelkeit kann auch hinzukommen und wenn es chronisch wird, sind die Schmerzen sehr schlimm und werden oft begleitet von Verdauungsstörungen.

Außerdem verdaut sich das Organ selbst. Bei der Entzündung werden eiweisspaltende Enzyme ausgeschüttet, die dafür sorgen, dass sich die Bauchspeicheldrüse selbst verdaut. Sie stirbt langsam ab und dieses tote Gewebe kann mit Bakterien infiziert werden. Darunter leidet dann der ganze Körper und das ist lebensbedrohlich.

"Alkohol ist ein starker und strenger Risikofaktor für Bauchspeicheldrüsenentzündung."

Bei einer chronischen Entzündung kommt es zu dauerhaften Einschränkungen: Es kommt zu Schmerzen und Mangelerscheinungen, weil die Bauchspeicheldrüse nicht mehr genügend Enzyme abgibt. Das führt zu Durchfall, Blähungen, Mangelernährung, Untergewicht und Osteoporose. Es ist möglich, die Enzyme mit Tabletten zu ersetzen, das mindert einige Symptome, aber manchmal müssen die Patienten trotzdem Schmerzmittel nehmen. Wenn das Insulin nicht mehr ausreichend produziert wird, entwickeln Patienten außerdem eine Zuckerkrankheit.

"In Deutschland ist es sicherlich keine häufige Erkrankung, aber es nimmt zu. Das Risiko steigt durch Lebensgewohnheiten wie viel Akohol-, Nikotinkonsum und Übergewicht."
Dagmar Mainz, Gastroenterologin ​und Sprecherin der niedergalessenen Magen- und Darmärzte

Wenn Patienten die Ursache bei einer akuten Entzündung beheben, dann gibt es große Heilungschancen. Oft sind beispielsweise Gallensteine die Ursache für die Entzündung, wenn diese entfernt werden, klingen die Beschwerden meist wieder ab. Wenn Alkohol und Nikotin die Auslöser für eine akute Entzündung sind, hilft nur ein kompletter Verzicht: Kein Bier mehr, keine Zigarette mehr. Bei einer chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung hingegen sieht es schlechter aus: Da verändert sich das Gewebe, verkalkt, schrumpft und das ist nicht rückgängig zu machen. 

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