Wenn eine Freundin oder ein Freund trauert, dann ist es manchmal gar nicht so einfach, Trost zu spenden und die richtigen Worte zu finden. Die Psychologin Main Huong Nguyen kennt sich mit Trauerarbeit aus und hat Tipps.

Eva hat mit Anfang 20 ihre Mutter verloren, sie sei danach in ein richtiges Loch gefallen, sagt sie. Ihr Freund habe sie in der Zeit unterstützt, aber manchmal sei es etwas schwierig gewesen. Zum Beispiel als er sie in den Arm genommen und anschließend gefragt hat, ob es ihr nun besser gehe.

"Was geholfen hätte, wenn Evas Freund sich frei von Erwartungen gemacht hätte."
Main Huong Nguyen, Psychologin

Die Psychologin Main Huong Nguyen sagt, wenn wir als Freundin oder als Freund helfen wollen, dann sollten wir uns frei von Erwartungen machen. "Bei Trauer ist es einfach nicht so, dass eine Umarmung oder ein paar Worte reichen, dass man das so weg reden kann", sagt sie. Das Beispiel zeige eher, dass der Freund sich in der Situation selbst hilflos gefühlt hat.

Geteiltes Leid ist halbes Leid

Main Huong rät, einfach für die andere Person da zu sein – egal, was an Emotionen und Reaktionen komme. Das könne wirklich entlasten. "Einfach zuhören, im Sinne von: Geteiltes Leid ist halbes Leid", sagt die Psychologin.

Wenn Freund*innen bei so viel Emotionen ebenfalls die Tränen kommen, sei das völlig okay. Sie sollten lieber authentisch sein, anstelle die Emotionen herunterzuschlucken. Main Hung Nguyen sagt: "Wenn man zusammen weint, dann ist das oft auch ein sehr verbindendes Moment." Wenn man der anderen Person etwas vorspiele, würde sie das eh merken und das wirke dann eher unecht.

Trauer braucht ihre Zeit

Main Huong Nguyen hat die Erfahrung gemacht, dass viele Menschen ein halbes Jahr bis zu einem Jahr trauern und danach wieder in den Alltag zurückfinden. Wer wesentlich länger mit einem Verlust kämpfe und Schwierigkeiten habe, in einen Alltag zurück zu kehren, sollte sich vielleicht psychotherapeutische Hilfe holen, rät sie.

"Ich finde wichtig, dass die Verantwortung nicht nur bei einem selbst liegt, sondern auch bei anderen Menschen."
Main Huong Nguyen, Psychologin

Wer eine Trauernde oder einen Trauernden begleite, sollte nicht vergessen, auch auf sich selbst zu achten. Denn so ein Trauerprozess kann auch für Außenstehende zehrend sein und an die Substanz gehen. Die Psychotherapeutin Main Huong Nguyen rät, zwischendurch auch etwas für sich selbst zu tun, etwa mit anderen Freunden über die Situation zu reden oder raus in die Natur zu gehen oder einfach etwas zu machen, was guttut und dabei hilft, neue Kraft zu schöpfen. Zudem sei es wichtig, die Begleitung einer Trauernden oder eines Trauernden unter mehreren Person aufzuteilen. Dann könne man die Verantwortung teilen.