Am 5. November ist Welt-Tsunami-Tag. Europa ist tendenziell weniger betroffen als zum Beispiel Asien. Wir wollten wissen, warum das so ist und wie groß die Tsunami-Gefahr in Europa tatsächlich ist.

Flutwellen, die alles mit sich reißen, was sich ihnen in den Weg stellt - Es ist noch nicht lange her, da wurde Indonesien von einem schweren Tsunami getroffen. Aber auch in Europa kann es passieren: In Portugal proben am 5.11.2018 Zehntausende den Ernstfall – um vorbereitet zu sein, wenn es zur Katastrophe kommen sollte. Es wird simuliert, ob Infrastruktur, Rettungsketten und Schutzmaßnahmen funktionieren.

Tektonik: Europa weniger stark von Tsunamis betroffen

Der letzte starke Tsunami hat Lissabon vor 263 Jahren getroffen: 1969 wurde vor Lissabon eine Welle von einem halben Meter gemessen. Und im Mai 2003 hat ein Tsunami mit "nur" bis zu zwei Meter hohen Wellen Mallorca getroffen. Da die Zerstörungskraft nicht so gigantisch war wie etwa bei den aktuellen Tsunamis in Asien, würden die Medien viel weniger darüber berichten, sagt Klaus Schwarzer, Tsunami-Experte an der Uni Kiel. 

Die Tsunami-Gefahr ist in Europa allein schon aufgrund der tektonischen Verhältnisse viel geringer als etwa in Asien. Das Wort "Tsunami" kommt nicht von ungefähr aus dem Japanischen und bedeutet wörtlich übersetzt "Hafenwelle". Trotzdem sei die Gefahr, dass Europa von einer Flutwelle getroffen wird, vorhanden - vor allem im Süden. In Europa haben wir nämlich ein starkes Nord-Süd-Gefälle, so der Fachmann. Jeder zehnte Tsunami ereigne sich im Mittelmeerraum. 

"Weltweit finden 10 Prozent aller Tsunamis im Mittelmeerraum statt."
Klaus Schwarzer, Tsunami-Experte an der Uni Kiel

Aufgrund dieses Gefälles und der geografischen Lage ist Deutschland quasi nicht von Tsunamis bedroht, sagt der Experte. 

Deutschland droht keine Gefahr

Wenn sich Tsunamis auf Nordeuropa, also etwa auf die niederländische oder deutsche Küste zubewegen, breiten sich die Wellen in der Regel nicht sehr weit aus. Das liegt daran, dass die Nordsee eine sehr breite Wattenmeerküste hat, an der sich ein Tsunami quasi totlaufe, so der Experte. 

"In Nordeuropa laufen sich Tsunamis an der breiten Wattenmeerküste quasi tot."
Klaus Schwarzer, Tsunami-Experte an der Uni Kiel

Selbst wenn es einen Tsunami wie den aus dem Jahr 8150 vor der norwegischen Küste geben würde, würden wir an der deutschen Küste so gut wie nichts mehr davon merken. Auch die Gefahr von sogenannten Alpensee-Tsunamis – Flutwellen, die durch Hang- oder Bergrutsche ausgelöst werden – schätzt Schwarzer als sehr gering ein. 

Die Tsunami-Übung in Portugal sei auf jeden Fall sinnvoll, sagt der Experte. Ein Tsunami könne sich nämlich so äußern, dass das Wasser erst mal zurückgeht – und die Menschen dann zum Strand laufen, um zu schauen, was es dort alles zu sehen gibt. Allein schon zu wissen, dass man eben nicht in Richtung Küste, sondern von dort weg in höhere Bereiche laufen muss, rechtfertige eine solche Übung.

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