Eine Gruppe von zwei bis drei Personen präsentiert ihre Geschäftsidee vor einer Jury im Fernsehen. Shows dieser Art sind beliebt. Ein Professor für Entrepreneurship schaut Start-up-Shows mit seinen Studierenden, um ihre Neugier für Selbstständigkeit und Start-ups zu wecken.

Alexander Nicolai ist Professor an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Er bringt seinen Studierenden alles bei, was sie verstehen müssen, um ein Unternehmen zu gründen. Allerdings stellt er immer wieder fest, dass manche seiner Studenten noch gar nicht darüber nachgedacht haben, dass sie sich selbstständig machen und eine eigene Firma gründen könnten. Um sie mit dieser Idee vertraut zu machen, schaut er sich mit ihnen TV-Sendungen wie "Die Höhle der Löwen" oder "Das Ding des Jahres" an. Alexander Nicolai denkt, dass diese Shows ein Zeichen dafür sind, dass Start-ups und Selbstständigkeit inzwischen anders wahrgenommen werden und die Vorstellung, selbst eine Firma zu gründen, für viele Menschen attraktiver wird.

"Nicht alle Studenten haben das Thema Selbstständigkeit für sich als Karrieremöglichkeit auf dem Zettel."
Alexander Nicolai, Stiftungsprofessur Entrepreneurship an der Universität Oldenburg

Unicorns zeigen wie es geht: Geschäftsideen erfolgreicher Start-ups

  1. Schritt: Bedarf klar identifizieren

    Alexander Nicolai hat eine Studie zu Geschäftsideen besonders erfolgreicher Start-ups, die man auch Unicorn-Start-ups nennt, durchgeführt. Dabei stellt er fest: Die wichtigste Quelle für Geschäftsideen ist ein klar identifizierter Bedarf, sagt der Professor für Entrepreneurship. Um neue Ideen für Unternehmensgründungen zu finden, kann man auch Analogien heranziehen. Das bedeutet, zu schauen, welches Konzept in einer Branche funktioniert und zu überlegen, ob sich dieses Prinzip auch auf eine andere Branche übertragen lässt. Oder man nutzt Prognosen, um herauszufinden, welche Bedürfnisse künftig in unserer Gesellschaft eine Rolle spielen werden.

  2. Schritt: Schauen, wie viel Wettbewerb es gibt

    Nachdem wir festgestellt haben, dass ein bestimmter Bedarf vorhanden ist und wir die entsprechende Idee haben, um ihn zu decken, ist es wichtig, zu schauen, wie viele Wettbewerber existieren, sagt Alexander Nicolai. Wenn wir feststellen, dass es ein Problem gibt, das wir mit einer Geschäftsidee lösen möchten, dann ist möglicherweise auch schon jemand anderes auf eine ähnliche Idee gekommen. Falls es überhaupt keine anderen Wettbewerber gibt, sollten wir auch über die Möglichkeit nachdenken, dass es eventuell keinen bedarf für unsere Idee gibt.

  3. Schritt: Umsetzbarkeit prüfen

    In einem weiteren Schritt sollten wir dann prüfen, inwieweit unser Konzept technisch, rechtlich und finanziell umsetzbar ist.

  4. Schritt: Ausprobieren

    Alexander Nicolai ist Fan davon, Ideen relativ schnell in einem kleinem Rahmen umzusetzen, um festzustellen, ob sie funktionieren. Er sagt, dass es oft reicht, einen kleinen Prototypen herzustellen und das es beispielsweise an Universitäten oft Förderprogramme dafür gibt.
"Oft hat man – wenn man einen klaren Bedarf hat – auch schon Wettbewerb. Und umgekehrt: Wenn es keinen Wettbewerb gibt, gibt es oft auch keinen Markt."
Alexander Nicolai, Stiftungsprofessur Entrepreneurship an der Universität Oldenburg

Start-up-Prozess als Lernprozess

Manchmal wird aus Hartnäckigkeit auch Starrsinn, sagt Alexander Niclai. Das heißt, wir wollen an einer Geschäftsidee festhalten, die nicht realisierbar ist. Um zu prüfen, ob es sich tatsächlich lohnt, unser Konzept weiterzuverfolgen, kann es sich lohnen zu schauen, ob wir noch Erkenntnisse gewinnen, wenn wir weiter daran arbeiten. Denn der Start-up-Prozess sollte auch immer ein Lernprozess sein, sagt der Professor. Wenn wir weiterhin Ideen haben, wie wir das Produkt weiterentwickeln und verbessern können oder wie es uns gelingt, den Vertrieb zu optimieren, dann lohnt es sich wahrscheinlich noch an unserer Geschäftsidee festzuhalten.

"Ein Start-up-Prozess ist ein Lernprozess. Wenn man tatsächlich aufhört, etwas von dem Feedback zu lernen, dann sollte man aufhören. Wenn man keine Idee mehr hat, wie man das Produkt oder den Vertrieb verbessern kann."
Alexander Nicolai, Stiftungsprofessur Entrepreneurship an der Universität Oldenburg