Oftmals verwenden wir das Wort "man" statt "ich", wenn wir über eigene Erfahrungen sprechen. Psychologen haben untersucht, wieso wir das tun. 

"Man müsste hier mal aufräumen?" - in einem Park könnte das heißen, dass der Sprechende die Stadtverwaltung in der Pflicht sieht. Damals im Kinderzimmer meinten die Eltern damit ganz konkret, dass wir Kinder das eigene Zimmer in Ordnung bringen. 

In manchen Situationen bevorzugen wir unpersönliche Wörter wie man statt ich. Zwei davon konnten die Wissenschaftler in ihrer Studie identifizieren: 

  • um zu verallgemeinern
  • um uns von negativen Erlebnissen zu distanzieren

Die Thesen werden unter anderem mit einem Beispiel von Donald Trump verdeutlicht. Trump werden von einigen Psychologen narzisstische Persönlichkeitszüge attestiert, also eine hohe Ich-Bezogenheit. Aber auch er verwendet nicht nur I - also ich -, sondern auch das unpersönliche you, das sich im Deutschen oft mit man übersetzen lässt. In einem Interview spricht Trump über seine Strategie, möglichst wenig Steuern zu zahlen, und verwendet dabei das Du, wenn er sagt: “Das ist genau die Art und Weise, wie Du es machen sollst.”

"I fight like hell to pay as little [in taxes] as possible… I’m a businessman. And that’s the way you’re supposed to do it."
Donald Trump, US-Präsident

Eine zweite Erkenntnis aus dieser Studie: Wir verwenden das unpersönliche Du, wenn wir über negative Dinge sprechen, die sehr persönlich sind. Um uns eine gewisse emotionale Distanz zu verschaffen. 

Dadurch bekommen wir selbst den Eindruck, dass ein negatives persönliches Erlebnis auch etwas Gutes hat, nach dem Motto "Das ist eine schlimme Sache, aber das ist generell eben so." Damit machen wir aus dieser schlechten Erfahrung etwas mit Bedeutung, nämlich, dass wir was Grundsätzliches über die Welt gelernt haben, und das empfinden wir als etwas Gutes. 

Distanz zu negativen Erlebnissen herstellen

Insgesamt haben die Forscher sechs Experimente durchgeführt, um ihre Hypothesen zu belegen. 

Für einen Versuchsaufbau wurden knapp 90 Probanden in zwei Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe sollte über eine negative Erfahrung aus dem eigenen Leben schreiben, die andere über eine neutrale Erfahrung. Ganz ohne Vorgaben, was die Worte ich oder Du betrifft. 

Mehr als die Hälfte der Probanden mit der negativen Erfahrung hat mit dem unpersönlichen Du über ihr Erlebnis geschrieben. Aus der Gruppe mit dem neutralen Erlebnis machten das viel weniger Menschen: nämlich nur sechs Prozent.