Aus russischer Sicht gehört die Krim zu Russland, überall hängen russische Fahnen, gezahlt wird mit Rubel. Sogar die russischen Mobilfunkkarten funktionieren. Ein Besuch vor Ort.

Markus Sambale ist unser Korrespondent in Moskau. Im September hat er als einer der ganz wenigen Journalisten die Halbinsel Krim besucht, um zu erfahren, wie es den Menschen dort geht - dreieinhalb Jahre nach der Annexion durch Russland.

Viele Menschen, die Markus Sambale getroffen hat, haben schon russische Pässe. "Das ist eine russische Strategie", sagt er: "Dann kann die Regierung in Moskau sagen, das seien deren Landsleute, denen geholfen werden müsse."

"Auch für die Menschen, die das kritisch sehen, ist klar: Russland hat das Sagen auf der Krim."
Markus Sambale, Deutschlandfunk Nova

Diejenigen, die sowohl einen ukrainischen als auch einen russischen Pass haben, können sich am besten bewegen. Sie kommen aufs ukrainische Festland und aufs russische.

Wer erst seit drei Jahren auf der Krim wohnt, hat aber nur einen, den russischen Pass. Ausreisen funktioniert, ist wegen der vielen Grenzkontrollen aber aufwändig. Es gibt keine direkte Zugverbindung von der Krim aufs ukrainische Festland.

Erschwerte Einreise

Eine Einreise ist von Moskau aus auch mit dem Flugzeug möglich, was aus ukrainischer Sicht allerdings einen illegalen Grenzübertritt darstellt - auch aus Sicht vieler deutscher Behörden, weiß Markus Sambale. Ein Einreiseverbot kann die Folge sein.

Korrespondent Markus Sambale ist von Moskau in die ukrainische Großstadt Odessa geflogen. Von dort ging es über Land bis auf die Krim.

Krimtataren sind die Verlierer

Die großen Verlierer der Annexion sind die Krimtataren, die muslimische Minderheit. Die allermeisten von ihnen wollen nicht, dass die Krim zu Russland gehört. Ihre Situation auf der Insel beschreibt Markus Sambale als "schwierig und bedrückend". Vorwürfe gegen sie lauten immer wieder ähnlich: Extremismus oder Unterstützung von separatistischen Tendenzen.

Alle paar Tage gibt es Durchsuchungen, Menschen werden festgenommen und zum Teil zu langen Haftstrafen verurteilt. Manche Menschen äußern aus Angst vor Repressionen ihre Meinung nicht.

"Alleine weil sie den Krimtataren angehören und grundsätzlich gegen die Annexion waren, stehen sie unter einer Art Generalverdacht der Behörden."
Markus Sambale, Deutschlandfunk Nova

Russland baut gerade eine Brücke über die Straße von Kertsch zur Verbindung der Krim mit Russland. Auch sonst ist Russland die Krim-Annektierung einiges Wert. Putins Sprecher Dmitri Peskow sagt, die finanzielle Belastung durch soziale Unterstützung, Gehälter und Infrastrukturmaßnahmen auf der Krim sei immens. 

Markus Sambale schätzt Russlands Ausgaben auf mehrere Milliarden Euro jährlich. "Sie sprechen von einer Wiedervereinigung. Für viele ist das ein Zeichen von Russlands Stärke. Da ist gar nicht so wichtig, wie viel es kostet."

"Es ist sicherlich ein bescheidenes Leben auf der Krim, aber eines, mit dem sich dann doch viele abfinden."
Markus Sambale, Deutschlandfunk Nova

Vor rund dreieinhalb Jahre hat Russland die ukrainische Halbinsel Krim trotz internationaler Proteste annektiert. Völkerrechtlich gehört sie zur Ukraine. Kein Land der Welt hat die Krim als ein Teil Russland anerkannt.