Grund dafür ist der Klimawandel. Durch das Sterben der Bäume leidet die Artenvielfalt und ein Teufelskreis entsteht. 

Anders als in den 1980er und 90er Jahren liegt das aber nicht mehr an "saurem Regen", der vor allem durch die Luftverschmutzung kam: Das haben strengere Emissionsregeln verbessert. Trotzdem sind die Böden teilweise noch versauert und überdüngt, das Baumsterben hat also nie aufgehört. Es sei sogar kontinuierlich schlimmer geworden, schreiben Wissenschaftler von der Humboldt-Uni in Berlin im Fachmagazin Nature Communications.

"Das Baumsterben hat nie aufgehört. Es ist sogar kontinuierlich schlimmer geworden."
Kerstin Ruskowski, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichtenredaktion

Dass so viele Bäume sterben, liegt den Forschern zufolge am Klimawandel. Weil es wärmer und trockener ist, sind die Bäume anfälliger für Schädlingsbefall. Dazu kommen häufigere und stärkere Stürme, die manche Bäume entwurzeln. Die Forscher schreiben weiter, dass sich die Fläche, auf der Bäume absterben, seit 1984 sogar verdoppelt hat: Von einem halben Prozent der gesamten Waldfläche pro Jahr in Mitteleuropa auf ein Prozent Waldfläche.

Warum das Waldsterben unbemerkt blieb

Das Forscherteam aus Berlin hat 24.000 Satellitenbilder aus ganz Mitteleuropa angeguckt. Die Bilder stammen aus einem Zeitraum von 33 Jahren, nämlich zwischen den Jahren 1984 und 2016. Bei der Auswertung haben sie festgestellt, dass sogar mehr Bäume abgestorben sind. Auf den Bildern konnten die Forscher unter anderem sehen, wie dicht die Baumkronen sind und wie sich der Wald insgesamt in dem Zeitraum verändert hat. 

Dabei fiel auf, dass die Wälder nicht mehr so dicht sind wie noch 1984. Die Forscher schreiben auch, dass das Waldsterben durch den Klimawandel unauffälliger geworden sei: In den 80ern und 90ern sind manchmal komplette Wälder auf einmal kaputtgegangen – jetzt seien es wohl oft einzelne Bäume.

"In den 80ern und 90er sind manchmal komplette Wälder auf einmal kaputt gegangen, und jetzt sind es wohl oft einzelne Bäume."
Kerstin Ruskowski, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichtenredaktion

Der Anteil an Waldflächen, auf denen tote Bäume stehen, hat sich laut der Studie in den gut drei Jahrzehnten von einem halben auf ein Prozent verdoppelt. Damit gehen jedes Jahr Bäume auf einer Fläche von rund 3000 Quadratkilometern verloren. 

Die Artenvielfalt leidet und ein Teufelskreis entsteht

Ein weiteres Ergebnis sei nach Angaben der Forscher, dass sich durch die Verdoppelung der toten Bäume auch die Dynamik innerhalb des Ökosystems Wald schon jetzt substanziell verändert habe. Davon sei besonders die Artenvielfalt betroffen. 

Außerdem speichern Bäume das Treibhausgas Kohlendioxid, das den Klimawandel anheizt. Das heißt, dass ein Teufelskreis entsteht: Der Klimawandel tötet Bäume, dadurch wird weniger Kohlendioxid gespeichert, das wiederum heizt den Klimawandel an. Dies sind weitere Konsequenzen aus dem sich verschlimmernden Waldsterben. 

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