In Städten Fahrrad zu fahren, macht oft wenig Spaß: Viele Abgase und gefährlich ist es auch. Wie müssen sich da erst die Fußgänger fühlen? Das Umweltbundesamt will das ändern: mehr Platz für Fußgänger, weniger für Autos. Anne Tepper aus den Deutschlandfunk-Nova-Nachrichten hat sich die Vorschläge des Umweltbundesamtes angeschaut.

Das Umweltbundesamt will, dass wir mehr Wege zu Fuß gehen. In Städten legen wir bislang im Schnitt 27 Prozent unserer Wege zu Fuß zurück. In Zukunft sollen es über 40 Prozent sein – auf dem Land etwas weniger.

Mehr Wege zu Fuß gehen

Zurzeit steigen noch viele Menschen auch für Strecken unter einem Kilometer in ihr Auto. Das ist unnötig: Laut Experten ist man zu Fuß oft sogar schneller. Aber in Städten macht das Gehen teilweise wenig Spaß: Man läuft an lauten Straßen entlang, es stinkt und es ist laut. Und viele Fußgänger fühlen sich nicht sicher. Um das zu ändern, fordert das Umweltbundesamt mehr Rechte für Fußgänger. Das Amt hat Fachleute beauftragt, um Vorschläge zu machen, die heute (11. Oktober) vorgestellt werden.

In dem Konzept stecken verschiedene Ideen:

  • Mehr Mittelinseln und Zebrastreifen,
  • kürzere Wartezeiten an der Ampel,
  • breitere Bürgersteige und weniger Parkflächen.

Viele der Vorschläge gehen in die Richtung: Mehr Platz für Fußgänger – und weniger für Autos. 

Aber die Pkw sollen nicht nur weniger Raum bekommen, sondern die Vorfahrt in der Straßenverkehrsordnung verlieren. Denn die sieht zum Beispiel vor, dass Fußgänger zügig über den Zebrastreifen gehen sollen, damit sie ja nicht den Autoverkehr stören.

Weniger Platz für Autos und Geschwindigkeit begrenzen

Es gibt auch die Forderung, in Städten Tempo 30 vorzuschreiben – und zwar stadtweit. Ebenso soll die Zahl der Autos in Städten sinken, und zwar auf 150 Autos pro 1000 Einwohnern. Der Tagesspiegel hat diese Zielvorgabe für Berlin durchgerechnet: Bis 2030 müssten die Berliner dann auf die Hälfte der Zahl ihrer Autos verzichten.

Nicht alle Autofahrer werden bei solchen Vorschlägen in Jubel ausbrechen. Oder doch?

"Autofahrer sind ja auch Fußgänger. Sie profitieren auch davon, wenn es breitere, schönere Bürgersteige gibt, mehr Grün und mehr Sicherheit."
Anne Tepper, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichten

Es geht nicht darum, Fußgänger gegen Autofahrer zu positionieren. Letztlich profitieren auch Autofahrer von Änderungen: Gerade in den Städten sind sie auch immer mal Fußgänger.

Das Konzept des Bundesumweltamtes soll der Bundesregierung als Basis dienen, um eine Fußverkehrswegestrategie zu entwickeln. Als ein Modellbeispiel nennen die Fachleute in ihren Vorschlägen die belgische Stadt Gent: Dort sind in Wohnvierteln mittlerweile Straßen gesperrt, stattdessen spielen dort jetzt Kinder – und für alle Nachbarin ist mehr öffentlicher Raum entstanden.

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