Alte Fischernetze, Seile, Kisten – Abfall von Fischerbooten landet oft im Meer. Ein gigantischer Strudel aus Plastikmüll im Nordpazifik stammt zu 80 Prozent von der Fischerei.

Er ist gigantisch: Der "Große Pazifische Müllteppich" (Great Pacific garbage patch) ist ungefähr so groß wie Mitteleuropa und treibt zwischen Nordamerika, Hawaii und Asien hin und her.

Was genau in diesem Müllstrudel treibt und woher er genau stammt, haben niederländische Forschende vor Kurzem untersucht.

"Man wusste schon, dass da viele alte Netze treiben, aber die Forschenden haben zum Beispiel auch viele Bojen, Kisten, Seile oder Reste davon gefunden."
Matthias Wurms, Deutschlandfunk Nova
Tote Fische in einem Fischernetz, das im Meer treibt.
© imago | Zuma Wire
Tote Fische in einem Fischernetz, das im Meer treibt.

Dass viele entsorgten Fischernetze im Meer treiben und zur Todesfalle für verschiedenste Meeresbewohner werden, war bereits bekannt.

Was Forschende allerdings bisher nicht wussten, war, dass nur ein geringer Teil des Plastikmülls, der als Müllteppich durch den Pazifik treibt, vom Festland stammt. Also beispielsweise aus Flüssen oder von Stränden ins Meer gelangt.

Um die Herkunft des Mülls festzustellen, haben die Forschenden 6.000 Fundstücke genauer untersucht. Bei rund 230 Teilen des künstlichen Treibguts gelang es den Forschenden mithilfe von Kennzeichnungen und Aufschriften, die Herkunft genau zu bestimmen.

Plastikmüll im Meer - härtere Kontrolle der Fischerei notwendig

Ein Drittel des Mülls, den die Forschenden in Zusammenarbeit mit dem Projekt "The Ocean Cleanup" aus dem Meer geborgen haben, stammt jeweils aus Japan und China. Zusammen mit Südkorea, den USA, Taiwan und Kanada sind diese Länder für mehr als 92 Prozent des Plastikmülls verantwortlich, der hauptsächlich von Fischerbooten im Meer entsorgt worden sein muss.

Weniger Plastikmüll im Meer

Insgesamt gibt es fünf dieser gigantischen Müllstrudel im Meer: Einen weiteren im Pazifik, zwei im Atlantik und einen im Indischen Ozean. Sie entstehen durch Meeresströmungen, die den Müll zusammentreibt.

Die Frage danach, was zu tun ist, damit weniger Plastikmüll ins Meer gelangt, beantworten die Studienautor*innen mit folgenden Empfehlungen:

  • Zum einen sollte generell weniger Plastik produziert werden.
  • Zum anderen sollten härtere Kontrollen durchgesetzt werden, um zu prüfen, ob Fischerboote ihren Müll vorschriftsgemäß entsorgen.
"Die Plastikstrohhalme und unsere ganzen Verpackungen verschmutzen vor allem die Küstenregionen und Strände. Das ist ein anderes Problem, aber mindestens genauso groß."
Matthias Wurms, Deutschlandfunk Nova
Plastikmüll wird aus dem Pazifik geborgen
© imago | Zuma Wire
Plastikmüll wird aus dem Pazifik geborgen.

Kritik an Aufräumaktion

Es gibt nicht nur Kritik an dem Umgang mit Abfall in der Fischereibranche, auch Projekt wie "The Ocean Cleanup", die versuchen, mit riesigen Fangarmen das Meer zu reinigen, werden kritisiert, weil sie zu viele Ressourcen aufwenden und dadurch nur ein geringen Nutzen haben, so die Kritiker.

Im vergangenen Jahr konnte "The Ocean Cleanup" 29 Tonnen Plastikmüll aus dem Meer fischen, in diesem Jahr waren es 100 Tonnen. Das klingt im ersten Moment viel, ist aber vergleichsweise wenig, da zigtausende Tonnen Plastik im Meer treiben.

"Gemessen an den Müllbergen ist das alles noch, wie mit einer Kinderschippe den Sand von der Nordseeküste abtragen zu wollen."
Matthias Wurms, Deutschlandfunk Nova

Andere kritisieren wiederum, dass die großen Plastikstrudel im Meer nicht entfernt werden sollten, weil sie Heimat für viele Kleinstlebewesen geworden sind. Die Forschenden weisen aber auch darauf hin, dass sich auf den Plastikteilen auch Muscheln und Schnecken angesiedelt haben, die sonst nur in Küstennähe vorkommen und diese möglicherweise dafür sorgen könnten, dass das ökologische Gleichgewicht aus den Fugen gerät.