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Immer wieder gibt es diese Meldungen: Fische, Frösche und Leguane fallen vom Himmel. Aber wie kann das sein? Halluzination oder Urban Myth? Der Biologe Mario Ludwig weiß, was dahinter steckt.

Dass es Fische regnet ist kein neuartiges Phänomen. Schon in der Antike soll sich dieses ungewöhnliche Naturereignis abgespielt haben. Im Jahr 989 soll dieses bizarre (Wetter-)Phänomen in Sachsen beobachtet worden sein. Im 16. Jahrhundert hat ein Künstler vom Himmel herabfallende Fische in einem Holzschnitt dokumentiert.

Wenn es Fische, Kaulquappen und Garnelen regnet

1918 beobachten britische Augenzeugen in dem kleinen Ort Hendon einen Niederschlag mit kleinen, toten Sandaalen. 2004 berichtet die BBC über einen "Fischregen" in der walisischen Stadt Knighton. Tote Kaulquappen sollen 2009 in Japan mehrere Tage lang vom Himmel gefallen sein. In Ungarn waren es 2010 dann Minifrösche. 2010, 2012 und 2016 sind weitere Fälle dokumentiert, bei denen es Fische in einer australischen Wüstenstadt, Garnelen in Sri Lanka und Fische in Indien "geregnet" haben soll.

Ein Holzschnitt aus dem 16. Jahrhundert zeigt, wie Fische vom Himmel regnen
© imago | UIG
Ein Holzschnitt aus dem 16. Jahrhundert zeigt einen "Fischregen", der sich im Jahr 989 in Sachsen ereignet haben soll.

Windhosen, die Meerestiere in die Lüfte tragen

Die wahrscheinlichste Erklärung für diese Phänomene seien Tornados, die über das Meer ziehen, sagt der Biologe Mario Ludwig. Sogenannte Windhosen seien in der Lage, kleinere Wassertiere zu erfassen. Die Tiere werden dann von den starken Wirbelwinden in die Luft gehoben und in große Höhen transportiert, so die Annahme.

Zwei Tornados über dem Meer.
© imago | Chromorange
Zwei Tornados über dem Meer.

Auf diese Weise werden kleine Fische, Frösche und andere leichte Wasserbewohner über größere Strecken befördert und "fallen" weit entfernt von ihrem Ursprungsort wieder aus dem Himmel.

Nicht geklärt: Warum es nur eine Tierart "regnet"

Diese Hypothese erklärt allerdings nicht, warum es oft nur eine einzige Tierart regnet, statt einer ganzen Vielfalt von Tierarten, die ähnlich groß sind und gemeinsam im gleichen Gebiet vorkommen. Um diese Frage abschließend zu klären, besteht weiterhin Forschungsbedarf.

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Eine Wettervorhersage, die am 21. Januar 2020 überraschte, war die Warnung vor herabfallenden Leguanen. So in Miami geschehen.

Wetterbericht warnt vor Leguanen, die aus Bäumen fallen

Die Erklärung ist in diesem Fall ganz einfach. In Miami sind in der Regel auch die Winter warm. Da die Temperaturen im Januar auf für diese Region ungewöhnlich niedrige -1 bis 4 Grad gefallen sind, konnten die wechselwarmen Tiere ihre Körpertemperatur nicht mehr regulieren.

Die bis zu neun Kilogramm schweren Tiere sind in einer Kältestarre verfallen, die mit einer Betäubung gleichzusetzen ist, und sind deshalb von den Bäumen geplumpst. Der Kälteschock ist nur vorübergehend und die Schuppenkriechtiere kommen wieder zu Bewusstsein, sobald sich ihr Körper wieder etwas erwärmt.

Wilder Leguan.
© imago | agefotostock
Leguane vertragen kühle Temperaturen nicht so gut, sie verfallen in eine Kältestarre.

Achtung vor herabfallenden Schildkröten

Meldungen, dass Menschen von einer aus den Wolken herabfallenden Schildkröte erschlagen wurde, sind glücklicherweise bisher nicht bekannt. Theoretisch ist das aber nicht auszuschließen. Denn im Mittelmeerraum, besonders in Griechenland, zählt die Landschildkröte zur Nahrung zweier großer Greifvogelarten, des Steinadlers und des Lämmer- oder Bartgeiers.

Um den harten Panzer der Schildkröten zu knacken, lassen sie ihre Beute aus großer Höhe - bis zu 60 Metern - auf einen Felsen fallen. Dafür nutzen die Greifvögel Felsplatten, die als Knochenschmieden bezeichnet werden.

Lämmer- oder Bartgeier
© imago | blickwinkel
Lämmer- oder Bartgeier erheben sich bis 40 Mal in die Lüfte, um Beute fallen zu lassen, wenn sie Knochen knacken wollen.

Das Bild im Header ganz oben auf der Seite ist ein Symbolbild. Ursprünglich wurde dieses Bild für das Filmplakat des Films „Magnolia“ von Paul Thomas Anderson aus dem Jahr 1999 verwendet.