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Armin Laschet möchte regieren. Einige Politikerinnen und Politiker aus seiner eigenen Partei sehen das aber offenbar anders. Nach der historischen Pleite könne die Union jetzt nicht erwarten, den Kanzler zu stellen. Dem Spitzenkandidaten bläst immer mehr Gegenwind ins Gesicht.

"Wir sind der Überzeugung, dass eine Regierung unter Führung der Union das Beste ist für unser Land. Und auch diesen Wählern fühlen wir uns verpflichtet. Und deshalb haben wir gestern unsere Bereitschaft dazu erklärt."
Armin Laschet, Kanzlerkandidat der Union

Der Kontrast zu manchen Parteikolleginnen und -kollegen könnte größer nicht sein. Ellen Demuth, Landtagsabgeordnete der CDU in Rheinland-Pfalz, forderte ihren eigenen Parteichef zum Rücktritt auf.

Deutlicher Widerstand

Ulrike Winkelmann, Chefredakteurin der taz, sieht die Zukunft der Union "ziemlich klar in der Opposition". Gegen Laschets Regierungsanspruch zeige sich deutlicher Widerstand aus dem eigenen Lager, wo die Unionspolitikerinnen und -politiker begriffen hätten, dass sie die Wahl verloren haben. Es gebe einfach keine Zustimmung zu diesem Plan.

"Das Bild der Union, medial wie in den eigenen Reihen, ist verheerend."
Ulrike Winkelmann, Chefredakteurin der taz

Auch Spitzenpolitiker der Union gehen hart mit dem eigenen Spitzenkandidaten ins Gericht. Vor allem in der Ost-CDU rumort es. Das Wahlergebnis sei "ein wirkliches Desaster für die Union" und zeige eine Wechselstimmung gegen die CDU, sagte zum Beispiel Michael Kretschmer, der Ministerpräsident von Sachsen.

"Die Grundhaltung, dass wir weiter machen wie bisher, muss ins Verderben führen."
Michael Kretschmer, CDU-Ministerpräsident von Sachsen

Die CDU habe diese Wahl verloren, deshalb sei nun "erst mal ein Innehalten" nötig. Ein "Weiter so" würde die Union "ins Verderben führen", so Michael Kretschmer. Die Ost-CDU ist besonders aufgebracht, weil die CDU dort so stark gegen die AfD verloren hat, sagt Ulrike Winkelmann. In Sachsen und auch in Thüringen
war die AfD stärkste Kraft geworden.

Kaum Rückhalt für Laschet im Osten wie im Westen

Die Position der Ost-CDU – und das wohl mit einigem Recht, glaubt die Journalistin – sei folgende: "Wenn sie sich überhaupt je erholen können, gegen die Rechtsradikalen, dann nur mit einer Union, die im Bund in der Opposition ist."

Laschet genießt aber auch bei den Schwergewichten der West-CDU keine Unterstützung mehr, sagt Ulrike Winkelmann. Selbst der hessische Ministerpräsident Bouffier, bisher ein wichtiger Unterstützer Laschets, vertrete nun die Position, Demut und Respekt vor dem Wählerwillen anzunehmen.

"Es wird wirklich dünn für Armin Laschet."
Ulrike Winkelmann, Chefredakteurin der taz

Am Dienstagnachmittag (28.09.2021) findet die Fraktionssitzung der Union im Plenarsaal des Bundestags statt. Dann werde sich zeigen, ob es überhaupt noch Unterstützung für Laschet gebe, sagt Ulrike Winkelmann. Es sei aktuell nicht klar, woher diese noch kommen solle.

Rückkehr nach NRW scheint verbaut

Den Rückweg aus Berlin zum Ministerpräsidenten Nordrhein-Westfalens habe sich Armin Laschet verbaut, sagt die Journalistin. Er habe sich vor der Bundestagswahl klar für Berlin ausgesprochen, das Türchen zurück gebe es nicht mehr – auch, weil sich in Nordrhein-Westfalen schon längst Leute warmlaufen, die Laschets Nachfolger werden wollen, darunter Hendrik Wüst.