US-Forscher haben herausgefunden, dass es den Mechanismus einer "Unrechts-Amnesie" gibt. Damit verdrängen wir falsches Verhalten. Also: vornehmlich unser eigenes. An das unmoralische Verhalten der anderen erinnern wir uns sehr gut.

In unserem Selbstbild sind wir alle gute Menschen. Ok, wir fahren vielleicht Bahn ohne abzustempeln, laden illegal Filme runter, flunkern unsere Mitmenschen an oder gehen fremd. Aber im Kern sind wir gute Menschen. Weil wir unsere unmoralischen Taten vergessen oder ganz gut verdrängen können, fällt es uns so leicht, an diesem Glauben festzuhalten. Das haben US-Forscher in einer Studie mit 2000 Teilnehmer herausgefunden, die einen Erinnerungstest gemacht haben.

"Dabei kam raus, dass sich die Teilnehmer unter allen Erfahrungen am undeutlichsten daran erinnern konnten, wenn sie die Situation als unmoralisch eingestuft hatten."
Wiebke Lehnhoff (DRadio WIssen) über die Studie zur "Unethical amnesia"

Normalerweise können wir uns schlechter an das Verhalten der anderen erinnern als an unser eigenes. Die Wissenschaftler fanden nun heraus: Wenn es um das Verhalten der Probanden selbst ging, konnten sie sich weniger lebhaft an unrechtes Verhalten erinnern als an richtiges und anständiges Verhalten.

Als Erklärung dafür führen die Forscher eine unethical amnesia an, zu Deutsch: die "Unrechts-Amnesie". Denn grundsätzlich sehen wir unser Verhalten gerne in positivem Licht - und wenn wir uns dann unmoralisch verhalten, fühlen wir uns psychologisch unbehaglich, haben also ein schlechtes Gewissen.

Wir verdrängen bewusst

Um das zu verringern, wenden wir dann unbewusst verschiedene Strategien an. Zum Beispiel wie in der Testreihe herausgefunden wurde: Wir vergessen oder verdrängen einfach unbewusst die Details von unserem unrechten Verhalten. Und deshalb wiederholen wir das dann später auch wieder.