Sie hätten nie die Chance, in den USA ein Wohnung zu bekommen: Obdachlose, Junkies oder Alkoholiker. "Housing First" vermittelt ihnen Wohnungen. Das ist oft der Beginn eines neuen Lebens.

Die Idee ist nicht neu, Obdachlosen Wohnungen zu besorgen, ohne dass sie dafür eine Gegenleistung erbringen müssen. Genau das ist für viele die erste große Hürde zurück in ein geregeltes Leben.

"Die meiste Zeit hatte ich damit zu tun, ein Dach über dem Kopf zu finden. Ich konnte mich nie um meine Probleme kümmern. Es war wie eine Drehtür über Jahre. Immer wieder im Kreis."
Waldon Adams, ehemaliger Obdachloser

Menschen eine Chance geben

In den USA nennt sich das Sozialprogramm "Housing First" und startete zuerst 2005 im Bundesstaat Utah. Es richtet sich vor allem an psychisch kranke Obdachlose. Waldon Adams hat mit dem Programm eine Chance erhalten. Er war kokain- und alkoholabhängig seit seinem 12. Lebensjahr. Jetzt ist der 53-Jährige seit sechs Jahren clean. Jahrelang drehte sich sein Leben immer wieder im Kreis - Drogen, Armut, Obdachlosigkeit, Krankheit, Depressionen. Den Teufelskreis konnte er mit einer Wohnung, die er so nie bekommen hätte, durchbrechen. Heute ist er sogar körperlich in der Lage für den Marathon zu trainieren.

"Jeder braucht ein Zuhause, eigene vier Wände, eine stabile Basis. Erst dann kann man seine Probleme angehen."
Nan Roman, Chefin der National Alliance to End Homelessness

Housing First kann auch zu Problemen führen

Kritiker sehen in Housing First eine mögliche Maßnahme gegen Obdachlosigkeit. Ralph DaCosta Nunez, Leiter des Instituts für Kinder, Armut und Obdachlosigkeit, kritisiert, dass Housing First zu Konflikten zwischen Anwohnern und ehemaligen Obdachlosen führen kann. Der Sozial- und Wirtschaftsexperte Sharam Kohan sieht die Gefahr der Ghettoisierung, sollten ehemalige Obdachlose nur in bestimmten Stadtvierteln untergebracht werden. Außerdem kritisiert er, dass mit dem Programm die Ursachen von Armut und Obdachlosigkeit nicht bekämpft werden.

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