Der letzte Erwachsene verlässt das Weiße Haus - so nennen amerikanische Medien den Abschied von Verteidigungsminister Jim Mattis. Wir haben mit unserem Korrespondenten über den Zustand der Regierung von Donald Trump gesprochen.

Rex Tillerson, Ex-Außenminister, Anthony Scaramucci, Ex-Kommunikationsdirektor, John Kelly, Ex-Stabschef: Das sind nur drei von insgesamt rund 50 US-Amtsträgern und Mitarbeitern im Weißen Haus, die seit dem Amtsantritt von Donald Trump gefeuert wurden oder freiwillig gegangen sind. Eine Übersicht über das Jahr 2018 findet ihr unten.

Nun wirft auch Verteidigungsminister Jim Mattis hin. Wir haben mit Martin Ganslmeier über die politische Lage im vorweihnachtlichen Washington gesprochen. Er ist Korrespondent für Washington.

Jim Mattis hat seinen Abschied in einem Brief begründet. Donald Trump habe seine Entscheidung, die amerikanischen Truppen aus Syrien abzuziehen, weder mit dem Verteidigungs- noch dem Außenministerium abgestimmt, sagt Martin Ganslmeier. Bei einer vergleichbaren Ankündigung Mitte 2018 habe Jim Mattis gewarnt, dass nach einem US-Abzug der IS wieder erstarken werde und Chaos in Syrien drohe. Jim Mattis hat sich entschieden gegen einen Rückzug ausgesprochen.

Die Vorstellungen von Außen- und Sicherheitspolitik Donald Trumps und von Jim Mattis würden sich doch deutlich unterscheiden, sagt Martin Ganslmeier. Amerikanische Medien bezeichnete Jim Mattis als den letzten Erwachsenen - wörtlich the last grown-up – im Umfeld Donald Trumps.

Jim Mattis ist der Ansicht, dass Donald Trump zu harsch mit seinen Bündnispartnern und zu soft mit Autokraten wie Wladimir Putin umgegangen sei. In seinem Brief schreibt er: "My views on treating allies with respect and also being clear-eyed about both malign actors and strategic competitors are strongly held and informed by over four decades of immersion in these issues."

"Man kann sagen, dass Mattis der letzte im Umfeld von Trump war, der keinen Hehl daraus gemacht hat, dass er die westlichen Bündnispartner, die Nato, die Europäer für wichtig hält."
Martin Ganslmeier, Korrespondent für Washington

Die Nachfolgersuche sei nicht einfach, sagt unser Korrespondent. Er nennt Jack Keane, einen 75-Jährigen Fünf-Sterne-General im Ruhestand, der als Militärexperte bei dem amerikanischen TV-Sender Fox News auftritt. Eine weitere Nachfolgeoption wäre Tom Cotton. Dieser habe sich allerdings bisher stets für eine starke US-Militärpräsenz in Syrien ausgesprochen. Als dritten Kandidaten nennt Martin Ganslmeier den Senator Lindsey Graham. Doch auch dieser habe sich wegen Donald Trumps pro-saudischer Haltung von dem Präsidenten distanziert.

Unser Korrespondent sagt, dass die Personalie an der Spitze des Verteidigungsministeriums momentan in den USA im Zusammenhang mit einem drohenden Government Shutdown gesehen werde. Eine Situation, die eintritt wenn Senat, Repräsentantenhaus und Präsident sich nicht über die Gestaltung der Ausgaben einigen können.

Hinweis: Wie sich der Konflikt um den Haushalt in den Vereinigten Staaten entwickelt, darüber informieren euch unsere Nachrichten und Dlf24.de.

Eine Zusammenstellung der Rücktritte und Entlassungen in der Administration von Donald Trump und den amerikanischen Behörden im Jahr 2018 – eine Auswahl:


Am 25. Januar 2018 trat der Drogenbeauftragte des Weißen Hauses Taylor Weyeneth zurück. Am 31. Januar trat die Leiterin des Center for Disease Control and Prevention Brenda Fitzgerald zurück. Am 27. Februar trat die Kommunikations-Direktorin des Weißen Hauses Hope Hicks zurück.

Am 13. März trat der US-Außenminister Rex Tillerson zurück. Am 16. März traf der FBI-Vize-Direktor Andrew McCabe zurück. Am 22. März 2018 reichte der Nationale Sicherheitsberater H. R. McMaster seinen Rücktritt ein. Am 28. März 2018 feuerte der US-Präsident seinen Minister für Veteranenangelegenheiten David Shulkin.

Am 3. Juli 2018 trat der Wirtschaftsberater und Vorsitzender des Nationalen Wirtschaftsrats Gary Cohn zurück. Am 7. November 2018 reichte der Generalstaatsanwalt Jeff Sessions seinen Rücktritt ein.

Am 3. Dezember trat James Schawb zurück. Er war Sprecher der US-Einwanderungsbehörde ICE. Am 20. Dezember 2018 reichte Verteidigungsminister Jim Mattis seinen Rücktritt ein.

Mehr zu den Personalentscheidungen Donald Trumps bei Deutschlandfunk Nova: