Crispr/Cas ist die derzeit mächtigste Methode der Gentechnik: In Pflanzen, Tieren und Menschen lassen sich damit gezielt einzelne DNA-Bausteine verändern. Die Methode ist breit anwendbar, aber nicht perfekt, warnt die Medizinethikerin Alena Buyx. Sie sagt, dass wir uns gut überlegen müssen, ob wir damit in die Keimbahn des Menschen eingreifen – und so Gen-Manipulationen vererbbar machen.

Vor rund acht Jahren, im Jahr 2012, wurde eine Entdeckung veröffentlicht, die die Gentechnik revolutionierte: die genaue Funktionsweise von Crispr/Cas – oder einfacher: der Mechanismus der Genschere. Labore weltweit nutzen diese Methode heute, um gezielt, präzise, kostengünstig und erstaunlich einfach aus einem DNA-Strang einzelne DNA-Bausteine zu entfernen, einzufügen oder auszuschalten – quasi per "Copy und Paste", wie in einem Schreibprogramm.

So funktioniert Crispr/Cas

Die Forscher nutzen für diese Genome-Editing- Methode einen natürlichen Abwehrmechanismus bestimmter Bakterien gegen Viren, der Crispr/Cas9 genannt wird. Ganz grob zusammengefasst funktioniert der so: Bei einem Virus-Angriff übernimmt ein überlebendes Bakterium eine Kopie eines Ausschnitts der Virus-DNA in einen bestimmten Abschnitt seiner eigenen DNA, dem Crispr ("Clustered Regularly Interspaced Short Palindromic Repeats").

Es baut also Virus-Erbmaterial in seine eigene DNA ein. Das funktioniert dann wie eine Art Erinnerungszettel oder Fahndungsfoto: Wenn das Bakterium wieder auf dieses Virus trifft, wird es erkannt und das Bakterium zerschneidet mithilfe eines bestimmten Proteins, dem Cas9 (Cas steht für "CRISPR-associated"), sein genetisches Material und macht ihn damit unschädlich.

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"Diese Technologie ist alles andere als perfekt."
Medizinethikerin Alena Buyx über genome Editing mit der CRISP/Cas-Methode

Diese Genschere lässt sich umprogrammieren auf andere DNA-Sequenzen – und damit lässt sich nun alles Mögliche machen: etwa ertragreichere Pflanzen und resistentere Tiere züchten oder per Gentherapie bisher unheilbare Erbkrankheiten und genetisch bedingte Krankheiten heilen. Allerdings birgt das auch Gefahren. Die Genschere kann auch ungewollte Veränderungen im Erbgut auslösen.

Crispr/Cas: Auch vererbbare Gen-Veränderungen beim Menschen möglich

Und die Technik wirft wichtige dringende ethische Fragen auf. Man kann die Methode nämlich auch an vorgeburtlichen menschlichen Zellen anwenden, also in die sogenannte Keimbahn eingreifen – und dann sind genetischen Veränderungen vererbbar. Das ist tatsächlich schon geschehen – und hat für weltweite Kritik gesorgt.

Eingriffe in die Keimbahn mit Crispr/Cas werden kommen

In Deutschland ist diese sogenannte Keimbahntherapie verboten. Aber wir sind keine wissenschaftliche oder medizinische Insel, und deshalb müssen wir uns den ethischen Fragen dazu stellen, mahnt Alena Buyx, Medizinerin und Ethikratmitglied.

"Wir haben zwar ein klares Verbot, aber wir müssen ethisch trotzdem vorausdenken."
Medizinethikerin Alena Buyx zur Anwendung von Crisp in der menschlichen Keimbahn

In ihrem Vortrag "Erbgut nach Maß? Die neue Genschere" erklärt sie, wie die Crispr/Cas-Methode funktioniert und berichtet, wie der Ethikrat zum Eingriff in die menschliche Keimbahn steht – und weshalb.

Alena Buyx ist Professorin für Professorin für Ethik der Medizin und Gesundheitstechnologien an der Technischen Hochschule München. Von Haus aus ist sie Medizinerin, hat aber auch Abschlüsse in Philosophie und Soziologie. Ihre Hauptinteressensgebiete sind unter anderem Medizinethik und Forschungsethik. Alena Buyx sitzt in vielen Gremien und ist als Beraterin gefragt. Seit 2016 ist sie zum Beispiel Mitglied im Deutschen Ethikrat.

Dort hat sie die Arbeitsgruppe zu Eingriffen in die menschliche Keimbahn geleitet. Seit 2019 ist sie Mitglied des WHO-Expertenkomitees zur Entwicklung globaler Standards für die Kontrolle und Überwachung von Genome Editing beim Menschen. Ihren Vortrag hat sie am 29. Oktober 2019 auf Einladung der Polytechnischen Gesellschaft in Frankfurt am Main gehalten.

Ein weiterer Vortrag zum Thema Crispr/Cas9 wurde am 15.02.2020 gesendet.