Wie gestresst wir sind, lässt sich an unserer Sprache einwandfrei ablesen. Eine neue amerikanische Studie zeigt: Wem es schlecht geht, der verwendet zum Beispiel bestimmte Wortarten häufiger.

Forscher verschiedener amerikanischer Universitäten haben 143 Testpersonen mit Audio-Rekordern ausgestattet und alle paar Minuten aufgenommen, was diese Testpersonen sagen und wie sie es sagen. Zeitgleich haben sie mit Blutuntersuchungen festgestellt, wie gestresst die Teilnehmer waren. Heraus kam dabei, dass man Stress in der Stimme hört.

"Der Klang der Stimme, die Sprechweise und Betonungsmuster enthalten viele Informationen über den Sprechenden."
Walter Sendlmeier, Sprechwissenschaftler

Die Forscher aus den USA sehen einen direkten Zusammenhang zwischen dem Stresslevel und der Art, wie ich etwas sage. Und das hat sogar Einfluss auf die Wortwahl. Bei der Analyse der 23.000 Tonaufnahmen haben die Forscher zum Beispiel festgestellt, dass gestresste Menschen weniger in der dritten Person Plural über andere sprechen. 

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Der Psychologe Mathias Mehl von der University of Arizona hat die Studie geleitet und sieht das als Zeichen dafür, dass der Stress als Bedrohung empfunden wird. In solchen Situationen fixieren sich Menschen mehr auf sich selbst und achten weniger auf ihre Umgebung und andere. 

"Ich, ich, ich: Bei den Politikern, die gerade versuchen, eine Jamaika-Koalition zu basteln, fällt auch eine gewisse Ich-Fixierung auf. Die haben wenig Schlaf - auf jeden Fall Stress."
Sebastian Sonntag, Deutschlandfunk Nova

Mehr Stress-Signale: Starke Wörter, kurze Antworten

Andere Signale für Stress in der Stimme oder im Gesagten sind emotionale und stark beschreibende Wörter. Außerdem haben die Forscher herausgefunden, dass Menschen in stressigen Lebenssituationen dazu neigen, insgesamt weniger zu sprechen. 

Bei sprachlich stark geschulten Berufsgruppen - zum Beispiel bei Politikern - sind die Symptome sicher nicht so eindeutig auszumachen. Die Studie kann aber insgesamt helfen, Stress besser zu verstehen und schneller zu entdecken. Denn viele Menschen leiden deutlich früher unter Stress, als dass sie ihn wahrnehmen. Und das kann man dann hören und etwas dagegen unternehmen.

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