Bioplastik bietet bisher noch keine einfache Lösung, um die Flut an Verpackungsmüll nachhaltig zu reduzieren.

In Deutschland wurde 2018 so viel Plastikmüll produziert wie noch nie: 18,9 Millionen Kilo insgesamt. Das sind mehr als 200 Kilo pro Kopf und Jahr. Tendenz steigend.

Bioplastik könnte eine nachhaltige Alternative darstellen, und helfen, weniger Verpackungsmüll zu produzieren.

Allerdings ist die Zusammensetzung der verschiedenen Bioplastik-Materialien, die es bisher gibt, noch nicht so bio, wie man sich das wünscht. Und in der Praxis lässt es sich bisher nicht so umweltfreundlich entsorgen, dass es zu diesem Zeitpunkt schon als nachhaltig bezeichnet werden könnte.

Bioplastik aus Genmais

Bioplastik an sich bedeutet, dass das Material nicht aus Erdöl hergestellt wird, wie es bei konventionellem Plastik der Fall ist. Für vielen Bioplastik-Materialien werden dabei nachwachsende Stoffe genutzt.

Das können beispielsweise Folien aus Polymilchsäure (PLA) sein, die stark knistern. Es gibt auch Folien, die aus Stärkemischungen entstehen, erklärt der Chemiker Stefan Hanstein vom Fraunhofer Institut für Silicatforschung in der ARD.

Umweltverbände sehen Bioplastik-Varianten aus Stärkemischungen in der Regel aus zwei Gründen kritisch. Denn wenn Mais angepflanzt wird, um damit Plastik herzustellen, fehlen diese Flächen für Nahrungsmittel. Der zweite Grund: Häufig wird Bioplastik aus genmanipuliertem Mais hergestellt.

"Das Spannendste war, dass dreiviertel der Substanzmischung Toxizität in unseren Tests gezeigt haben."
Toxikologin Lisa Zimmermann zur Zusammenstzung von Bioplastik in der ARD

Bioplastik kann auch aus Holzabfällen oder aus den Restprodukten der Saft- oder Weinherstellung entstehen. Das klingt im ersten Moment nachhaltiger als die Herstellung aus Genmais, ist es aber nicht unbedingt.

Die Forschergruppe PlastX hat untersucht, welche Stoffe in Bioplastik stecken. Die Proben haben gezeigt, dass Bioplastik oftmals nicht umweltfreundlicher ist als konventionelles Plastik.

Potenziell giftige Stoffe in "kompostierbaren" Plastiktüten

Denn bis zu tausend verschiedene chemische Substanzen können in Bioplastik enthalten sein. Und das selbst dann, wenn auf Bioplastik-Tüten kompostierbar draufstehe. Solch eine Tüte auf den Komposthaufen zu werfen, könnte bedeuten, potenziell giftige Stoffe in den Boden zu geben.

Ein wichtiger Vorteil von Bioplastik, das Material fängt nach einem halben oder einem ganzen Jahr an zu verrotten. Im Vergleich dazu: Plastik aus Erdöl überdauert mindestens 100 Jahre oder länger. Unnötig lang, wenn man damit beispielsweise Lebensmittel verpacken, die nur einen Bruchteil dieser Zeit halten.

Bioplastik-Tüten nicht in den Biomüll oder in die Gelbe Tonne

Wie Bioplastik bisher entsorgt wird, ist auch noch nicht ideal gelöst. Dass es ein halbes bis ein ganzes Jahr dauert, bis das Material anfängt zu verrotten, dauert den deutschen Entsorgern noch zu lang.

Bioplastik sei zwar kompostierbar, brauche aber viel länger als die Bioabfälle, die in einem Rott-Tunnel erhitzt und dann in kürzester Zeit zu Humus zerfallen würden, sagt beispielsweise Stefan Röttele von der Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH in der ARD.

Bioplastik gehört bisher noch in den Restmüll

Aus diesem Grund dürfen Bioplastik-Tüten nicht in den Bio-Müll. Allerdings sollten wir sie auch nicht in die Gelbe Tonne werfen.

Wenn beispielsweise die Sortieranlagen nicht zwischen konventionellem und Bioplastik unterscheiden können, dann verunreinigt das Bioplastik das konventionelle, das recycelt werden soll.

Zu wenig, um es zu recyclen

Inzwischen können die meisten Anlagen Bioplastik tatsächlich erkennen. Allerdings lohnt sich der Aufwand für die Entsorger nicht, den Bioplastik-Müll zu recyceln, weil es bisher noch zu wenig davon gibt. Aus diesem Grund wird Bioplastik häufig mit dem Restmüll verbrannt. In Ländern wie Frankreich oder den Niederlanden, wo auch schon viel mehr Bioplastik in Umlauf ist als bei uns, läuft das mit Entsorgung und Recycling deutlich besser. Von seiner Bilanz her ist Bioplastik grundsätzlich besser als aus Erdöl hergestelltes Plastik. Die Verfahren zur Herstellung, die Inhaltsstoffe, Recycling und Entsorgung müssten allerdings noch deutlich optimiert werden.