Manche Menschen haben schon vier Impfdosen gegen das Coronavirus erhalten. Für die meisten wird die dritte Impfung aber erstmal reichen.

Für manche Menschen liegt die Booster-Impfung (die dritte) inzwischen so lange zurück, dass sie über eine vierte nachdenken könnten. Ist die aber immer nötig?

"Mit der dritten Impfung wird ein immunologisches Gedächtnis aufgebaut. Die vierte Impfung bringt nicht mehr so viel, weil das Gedächtnis schon da ist.
Christine Falk, Immunologin an der Medizinischen Hochschule Hannover

Erste Studien aus Israel zeigen, dass die vierte Impfung nicht mehr sehr viel Wirkung zur dritten hinzufügt –zumindest, um das Ziel zu erreichen, einen schweren Krankheitsverlauf zu verhindern.

Denn: Das Immunsystem entwickelt nach der dritten Impfung ein Gedächtnis, das schützt. Da das Immunsystem ökonomisch arbeitet, kann es sein, dass zwischendurch der Antikörperspiegel im Körper zurückgeht. Werden die Antikörper benötigt, stehen sie in ausreichender Zahl zur Verfügung.

"Daher kann man sagen, dass Menschen mit einem gesunden Immunsystem die vierte Impfung nicht brauchen", sagt Christine Falk, Immunologin an der Medizinischen Hochschule Hannover. Sinnvoll sei die vierte Spritze hingegen für Menschen, die das Immunsystem schwächende Medikamente nehmen, älter als 70 sind und in Heimen oder Pflegeeinrichtungen leben.

Immer wieder neu impfen?

Wie lange der Boosterschutz gegen eine Infektion anhält, ist noch nicht sicher zu sagen. Generell sei ein Impfgedächtnis langlebig. Herauszufinden, wie lange es tatsächlich anhält, sei Aufgabe der Forschung, sagt Christine Falk.

Um die aktuell hohe Ansteckungsrate zu stoppen, müsste man versuchen, den Immunschutz im Nasen-Rache-Raum hochzuhalten. In dieser Körperregion sei der Schutz kurzlebiger, erklärt Christine Falk.

Dass deswegen die Impfrate hochgesetzt wird, empfiehlt sie dagegen nicht: "Das macht keinen Sinn, weil man durch häufigeres Impfen das Immunsystem erschöpfen würde. Das wollen wir nicht, denn bei hohen Infektionszahlen brauchen wir es in voller Aktionsbereitschaft."

Wenn es einen an die Omikron-Variante angepassten Impfstoff gibt, stellt sich die Frage nach einer zusätzlichen Impfung neu. Christine Falk sagt: "Wir wollen gezeigt haben, dass mit diesem angepassten Impfstoff wirklich nochmal neue Antikörper entstehen, die die Omikron-Variante erkennen – zusätzlich zu dem, was wir gegen den Wildtyp an Immunschutz schon aufgebaut haben." Sollten die angepassten Impfstoffe gut funktionieren, könne man über eine standardmäßige neue Impfung nachdenken.