Zahlungskräftige Investorinnen und Investoren kaufen Grundstücke, die nur virtuell existieren: im Metaverse. Ob sich das Investment lohnt, ist ungewiss.

In der realen Welt geht das mit dem Bau dringend benötigter Wohnungen oder der Sanierung von Autobahnbrücken bekanntlich oft nicht gerade schnell. Im Metaverse ist dagegen gerade Highspeed angesagt. Das Metaverse ist eine Art Internet der Zukunft, bestehend aus rein virtuellen Welten und solchen, die sich mit der materiellen Welt vermischen.

Momentan wird gerade zeitgleich an mehreren verschiedenen virtuellen Welten gebaut, zum Beispiel an Metas "Horizon Worlds" (Meta: ehemals Facebook) oder an Konkurrenz-Plattformen wie "Decentraland" oder "The Sandbox".

"Im schönen neuen Metaverse sollen sich digitale Erfahrungen – etwa die Begegnung mit Freunden – dank Virtual-Reality-Technik anfühlen wie Interaktionen im echten Leben."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

In den neuen Welten sollen sich digitale Erfahrungen dank Virtual-Reality-Technik anfühlen wie Interaktionen im echten Leben. In Horizon Worlds etwa könnt ihr seit letzter Woche – wenn ihr eine VR-Brille habt – mit einem Avatar unterwegs sein und dort mit bis zu 20 anderen Userinnen und Usern in einem virtuellen Raum abhängen und Spiele spielen.

4,3 Millionen Dollar für virtuelles Land

Der Weg in Richtung digitale Zukunft scheint klar: Auf Decentraland und The Sandbox wechseln digitale Grundstücke momentan für Millionenbeträge die Besitzer. Und das ist kein Spielgeld.

Die Firma Republic Realm hat gerade 4,3 Millionen US-Dollar für eine Landfläche auf der Game-Plattform The Sandbox bezahlt. Laut der Datenfirma Nonfungible.com ist das der bisher größte Deal mit virtuellen Immobilien.

Zuvor hatte bereits die kanadische Kryptofirma Tokens.com 2,5 Millionen US-Dollar für Fläche in Decentraland investiert. Laut Krypto-Internetseite Dapp sind kürzlich in einer Woche auf den größten Metaverse-Seiten Ländereien für insgesamt mehr als 100 Millionen US-Dollar verkauft worden.

Barbados eröffnet virtuelle Botschaft

In dieser virtuellen Welt der Zukunft wird es in Kürze sogar schon die erste virtuelle Botschaft geben: Der Karibikstaat Barbados will sie am 1. Januar 2022 eröffnen, als erstes Land überhaupt. Sie soll unter anderem bei der Beschaffung von Visa behilflich sein.

"Als erstes Land überhaupt hat der Karibikstaat Barbados eine eigene virtuelle Botschaft in Decentraland eröffnet."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Doch das Metaverse bringt auch viele Probleme mit sich, die es zu lösen gilt. In Mark Zuckerbergs "Horizon Worlds" sind die Avatare bisher "eher phantasielos gestaltet", sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Martina Schulte. Sie schweben durch die Gegend und kommen völlig ohne Unterkörper aus.

Avatare ohne Beine

Der Techjournalist Gregor Schmalzried nennt Horizon Worlds in seinem wöchentlichen Netz-Newsletter eine "Welt voller generisch aussehender Computerköpfe in Hoodies und Button-Ups, denen literally die Geschlechtsteile fehlen".

Die Begründung: Damit die Begegnungen im Metaverse nicht so leicht ins Sexuelle abdriften können, wird darauf verzichtet, erklärt Martina Schulte.

Meta, wie Facebook ja seit Neuestem heißt, verstehe sich als Familienunternehmen. Es passe zu Facebooks "langjährigem Feldzug gegen weibliche Brustwarzen und all das, was die prüden Amerikaner für sexuellen Content halten".

Nur eine große Blase?

Möglicherweise ist das alles nur eine Riesenblase, so wie 2003 bei Second Life – dem ersten Versuch, ein Metaverse zu bauen. Auch damals schon hatten viele Firmen viel reales Geld für virtuelle Grundstücke und Geschäfte ausgegeben. Doch weil schließlich keine User in den virtuellen Stores einkaufen oder virtuelle Burger essen wollten, war der Traum von der tollen Zukunftswelt wieder geplatzt.

Die Investoren von 2021 glauben trotzdem fest daran, dass es dieses Mal klappt. Die kanadische Kryptofirma Tokens.com hat sich daher schon Mal ein erstklassiges Grundstück im Modeviertel von Decentraland gesichert – dort sollen demnächst die Luxus-Marken der realen Welt ihre Onlineshops eröffnen. Ob der Plan aufgeht, hängt von uns ab.