Vitamin D ist wichtig für die Knochen und das Immunsystem. Im Netz werden auch Präparate mit Vitamin D angeboten, die angeblich bei Covid-19 helfen sollen. Wissenschaftlich belegt ist das nicht.

Zu wenig Vitamin D kann krank machen. Das hat sich auch in der Vergangenheit gezeigt: Vor etwa hundert Jahren hatten besonders oft Kinder Knochenprobleme, die in dunklen Wohnungen lebten und viel arbeiten mussten, weil sie aus armen Verhältnissen kamen.

Bei ihnen wurde häufig Rachitis festgestellt. Eine Krankheit, bei der die Knochen nicht richtig wachsen, weil sie weich werden und sich verformen. Sogar das gesamte Skelett kann sich dadurch verbiegen. Heute tritt diese Krankheit bei Kindern in Europa kaum noch auf.

Für die Knochen und Muskeln ist ein Mangel an Vitamin D aber weiterhin schlecht. Auch macht es Menschen anfälliger für Infektionen. Trotzdem fehlen für einige Behauptungen rundum das Vitamin aktuell die wissenschaftlichen Belege.

Vitamin D und Covid-19

Dass Vitamin D etwa vor Covid-19 schützen kann, hat bislang keine Studie bewiesen. Zwar konnte man in einigen Krankenhäusern beobachten, dass es unter den Covid-19-Patientinnen mehr Patienten gab, deren Vitamin-D-Spiegel niedrig war als bei Menschen ohne Covid-19. "Das heißt aber noch lange nicht, dass ein Vitamin-D-Mangel schuld ist an Covid-19", sagt Wissenschaftsjournalistin Christina Sartori.

Denkbar wäre, dass der Vitamin-D-Spiegel durch eine Erkrankung an Covid-19 sinkt, ähnlich wie bei anderen Infektionen. Hinzu komme auch, dass Menschen aufgrund ihrer Vorerkrankungen oder Lebensumstände oft einen niedrigen Vitamin-D-Spiegel haben – wobei das Risiko, an Covid-19 zu erkranken, bei ihnen durch die Vorerkrankungen oder Lebensumstände steigt, zum Beispiel durch ihr Alter, starkes Übergewicht oder Diabetes.

Wenig Sonne ist nicht gleich Vitamin-D-Mangel

Auch die Behauptung, viele Menschen in Deutschland hätten einen Vitamin-D-Mangel, hält die Wissenschaftsjournalistin für gewagt. Zum einen fehlt hierfür der Vergleich. International sei das schlecht möglich, weil es unterschiedliche Messstandards in den verschiedenen Ländern gebe. Teilweise hätten auch die Labore unterschiedliche Analysemethoden.

"Wie viel Vitamin D ein Mensch im Körper hat, ändert sich mit dem Alter, mit der Jahreszeit, mit dem Verhalten, und so weiter. Wenn also einmal ein sehr niedriger Wert gemessen wird, sagt das noch nichts – der ist vielleicht nächste Woche schon wieder anders."
Christina Sartori, Wissenschaftsjournalistin

Wie viel Vitamin D wir im Körper haben, hängt von vielen Faktoren ab, so Christina Sartori – Alter oder Verhalten etwa, aber auch schlicht vom Messzeitpunkt. Den Großteil des Vitamin D bildet der Körper nämlich selbst in der Haut, wenn Sonnenstrahlen darauf fallen. Das sind UV-B-Strahlen bestimmter Wellenlängen. Im Winter zum Beispiel kommen in unseren Breitengraden eher wenige von diesen Sonnenstrahlen bei uns an. Das führt aber nicht zwingend zu einem Vitamin-D-Mangel.

Reserven im Körper

Denn: Im Sommer kann unser Körper in den Muskeln und im Fettgewebe Vitamin-D-Reserven anlegen. "Dazu reicht es schon dreimal die Woche Sonne auf die Haut zu lassen – und zwar nur so lange, dass man auf keinen Fall einen Sonnenbrand bekommt", erklärt Christina Sartori. Menschen mit dunklerer Hautfarbe brauchten etwas mehr Sonnenstrahlen, weil sie mehr Pigmente in der Haut haben und diese weniger von den Sonnenstrahlen durchlassen.

Überdosis mit Vitamin-D-Präparaten möglich

Manche Menschen nehmen alternativ auch Nahrungsergänzungsmittel mit Vitamin D ein. Die Einnahme solcher Präparate solltet ihr vorher allerdings mit einer Ärztin oder einem Arzt abklären, denn zu viel Vitamin D kann dem Körper schaden – weil sich das Vitamin eben im Körper anlagert.

Das Robert-Koch-Institut warnt sogar vor einer Vergiftung durch eine Überdosis des Vitamins: Übelkeit, Appetitlosigkeit, Bauchkrämpfe oder Erbrechen können die Folge sein, in schweren Fällen auch Nierenschädigung, Herzrhythmusstörungen, Bewusstlosigkeit oder gar Tod. Schäden wie diese kann Sonnenlicht – also die natürliche Aufnahme – hingegen nicht verursachen.

Wenn ihr noch mehr wissen wollt: Die KollegInnen von Funk haben in einer Folge maiLab Behauptungen zu Vitamin D überprüft – zu sehen hier.