In großen Menschenmengen ist es oft schwierig, sich von A nach B zu bewegen. Der Verhaltensbiologe Jens Krause weiß, wie wir in solchen Situationen am besten vorankommen – und worauf wir im Notfall achten müssen.
Jens Krause ist Verhaltensbiologe am Leibniz-Institut für Gewässerökologie. Er befasst sich mit Fischschwärmen und versucht, menschliche Bewegung in Menschenmassen experimentell und per Simulation zu analysieren und Tipps zu geben, wie Fußgängerflüsse sicherer gestaltet werden können.
Aneinander vorbei statt gegeneinander
Jens Krause empfiehlt, hinter anderen zu bleiben, die sich bereits einen Weg bahnen. Um das zu schaffen, sollen wir hinter einer Person am Anfang des Gedränges einscheren. Dieses Verhalten führt im Idealfall zu spontanen Schlangenformationen, sodass Fußgänger in beiden Richtungen aneinander vorbei gleiten können, so Jens Krause. Es bringe dagegen nichts, aus so einer Reihe auszuscheren, um schneller vorankommen zu können.
"Viele sind natürlich ungeduldig und wollen gerne schneller vorankommen – und scheren dann aus. Häufig verlangsamt das den Prozess des Weiterkommens eigentlich für alle – manchmal auch für sie selber. "
Von Fischen lernen
Sardinen, Makrelen oder Heringe seien daran angepasst, ihr gesamtes Leben innerhalb eines Schwarmes zu verbringen. Die Individuen solcher Fischschwärme krachen deshalb auch ausgesprochen selten zusammen, sagt Jens Krause. Ganz anders sei das beim Menschen.
Denn wir Menschen lebten nicht seit hunderttausenden von Jahren in derartigen Dichten, wie wir sie heute in großen Städten vorfinden. Die hohen Dichten in urbanen Zusammenhängen sind damit – evolutionsgeschichtlich betrachtet – ein relativ neues kulturelles Phänomen.
Die Verhaltenstipps für Großevents
Um sich gerade auf großen Events zu fühlen, rät Jens Krause zu diesen beiden Verhaltensweisen:
- Über den Lageplan informieren, um ein Verständnis für die Lage des entsprechenden Geländes zu bekommen.
- In einer Krisensituation vor allem Ruhe bewahren. Und auf keinen Fall rennen. Wichtig ist, sich gezielt in die entsprechende Richtung – Fluchtweg – zu bewegen.
Mit diesen Verhaltenstipps wird sicher auch der nächste Besuch auf einem der aktuellen Weihnachtsmärkte entspannter. Denn auch hier stehen wir mitten im Gedränge, kaum dass wir dort angekommen sind.
- Ameisen | Faule Arbeiter halten Verkehr flüssig | Viel Verkehr führt irgendwie unweigerlich zum Stau.
- Verkehrspolitik | Die missachteten Fußgänger | Mehr Zebrastreifen und längere Grünphasen für Fußgänger – das will das Umweltbundesamt. Aber mal ehrlich: Was ist mit den Radfahrern? Und was sagt die Autolobby zu solchen Plänen?
- Pendeln | Immer länger, immer weiter | Wer weit zur Arbeit fahren muss, kennt sich aus mit Stau und Verspätungen. Wir haben uns einen ganz typischen Pendler von heute angesehen – und seine Risiken.