Blauwale singen immer tiefer – schuld daran könnte der Klimawandel sein. Welche Auswirkungen das auf die Wale hat und ob sie sich trotzdem verstehen, weiß Wissenschaftsjournalistin Katharina Jakob.

Blauwale werben um ihre Partner, indem sie singen – genau diese Walgesänge werden seit einiger Zeit immer tiefer. Australische Forscher haben nun eine Studie veröffentlicht in der sie Verbindungen zwischen dem Klimawandel und den tiefer werdenden Walgesängen ziehen. 

Grundsätzlich sei schon länger bekannt, dass Blauwale seit den sechziger Jahren von Jahr zu Jahr tiefer singen, sagt Katharina Jakob. Sie ist Wissenschaftsjournalistin und hat das Buch "Warum Wale Fremdsprachen sprechen können" geschrieben. Die australischen Forscher haben sich Forschungsergebnisse angeschaut, nochmal selbst Daten ausgewertet und die Annahme bestätigt.

"Vielleicht ist der Klimawandel eine Möglichkeit, weil die Meere ja versauern – dadurch mehr C02 in den Meeren drin ist und dadurch Schall weiter getragen werden kann."
Katharina Jakob, Wissenschaftsjournalistin

Die These der Forscher, dass der Klimawandel und die Erwärmung der Weltmeere für das veränderte Verhalten der Blauwale verantwortlich sind, hält Katharina Jakob für möglich. Sie sagt aber auch, dass dies auch andere Gründe haben könnte.

Pottwalexperte glaubt an Trendverhalten der Wale

Der Pottwalexperte Hal Withehead hat zum Beispiel die Theorie, dass der tiefere Gesang eine Modeerscheinung in der Blauwalgemeinschaft sei. Denn nur männliche Blauwale singen – sie buhlen um die Weibchen. Um sich von den Mitbewerbern abzusetzen, würden die männlichen Blauwale in ihrem Gesang eine Frequenz tiefer gehen – und das Jahr für Jahr. 

"Er glaubt daran, dass das wie ein Modesong ist, der jedes Jahr ein bisschen tiefer wird."
Katharina Jakob, Wissenschaftsjournalistin

Katharina Jakob sagt, dass die Populationen auch wieder etwas zunehmen, es gibt als wieder etwas mehr Konkurrenz. Grundsätzlich hält sich die aber noch immer in Grenzen, denn so viele Tiere gebe es dann doch wieder nicht. 

Alle verstehen sich – nur den einsamsten Wal der Welt versteht niemand

Dass die Wale tiefer singen, sei innerhalb der Walgesellschaft aber kein Problem, denn sie verstehen sich, sagt Katharina Jakob. Allerdings gibt es eine Ausnahme: den 52-Hertz-Wal. Unabhängig von den tiefer werdenden Gesängen seiner Artgenossen, die zwischen 15 und 30 Hertz singen, singt er auf einer Frequenz von 52 Hertz.

"Es gibt einen einzigen Wal, den 52-Hertz-Wal, der so unglaublich hoch singt, dass offenbar wirklich nicht verstanden wird."
Katharina Jakob, Wissenschaftsjournalistin

Aus diesem Grund scheint ihn kein anderer Blauwal zu verstehen – der 52-Hertz-Wal ist alleine in den Weltmeeren unterwegs. Er trägt auch den Titel "einsamster Wal der Welt". Laut Katharina Jakob wird vermutet, dass der Wal ein Hybrid ist, also eine Kreuzung zwischen Finn- und Blauwal, und er deswegen auf dieser Frequenz singt.

Das, was wir Menschen als Gesang wahrnehmen, wird bei den Bartenwalen, also Blau- und Finnwalen, über deren Kehlkopf produziert. Sehr vereinfacht können wir uns das so vorstellen: Diese Wale singen ohne auszuatmen. Sie recyclen quasi ihre Atemluft und lassen sie immer wieder am Kehlkopf entlangströmen.

Bei Zahnwalen, wie Delphinen oder Pottwalen ist das anders. Diese Tiere singen nicht, sondern knattern eher. Anders als bei den Bartenwalen nutzen Zahnwale ihre Geräusche auch nicht nur zur Brautschau, sondern zur Echolocation oder um zu kommunizieren.

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