Iran plant Uni-Ableger im Ausland. Dabei geht es um mehr als eine Bildungsoffensive. Beobachter sehen den Schritt als Teil einer politischen Strategie - und einen Zusammenhang mit den jüngsten Protesten.

Iran ist nicht genug. Die Islamische Azad Universität, die größte private Uni des Landes, soll bald Zweigstellen in Syrien und im Irak bekommen. Schon heute ist die Uni mit 1,6 Millionen Studierenden die Hochschule mit den meisten Studierenden im Iran.

Außerdem will die Uni ihren Ableger im Libanon ausbauen. Das hat Ali Akbar Walajati, der außenpolitische Berater des obersten iranischen Revolutionsführers, vor wenigen Tagen (16.01.) bekannt gegeben. Er ist gleichzeitig auch Vorsitzender des Beirats der Azad Universität. 

Ableger in fast allen iranischen Städten

Auf den ersten Blick ist die Islamische Azad Universität eine  konventionelle Hochschule, erklärt unsere Reporterin Stephanie Rohde, die im Iran studiert hat.

Zur Gründungszeit 1982 lag der Schwerpunkt auf Ingenieurswissenschaften. Mittlerweile bietet die Hochschule fast alle Fächer an.

Abschlüsse wie am Fließband

Auf den zweiten Blick gibt es aber auch Unterschiede zu deutschen Hochschulen, erklärt Stephanie. Die Azad Universität wird von einem Kuratorium hochrangiger Politiker geführt. Ihr Gründer ist der spätere Präsident Rafsanjani.

Speziell ist auch ihr Status als private Non-Profit-Organisation. Die Studierenden zahlen für ihr Studium, müssen dafür aber keine Aufnahmeprüfung wie an staatlichen Hochschulen bestehen. Ihr Ruf lässt sich so zusammenfassen: An der Azad Universität gibt es Abschlüsse wie am Fließband – weil sie jeden nimmt, der zahlen kann.

Private Uni heißt im Iran: Hier haben Politiker das Sagen

All das ist aber nicht in Stein gemeißelt. An der Uni gibt es hochpolitische Auseinandersetzungen, erklärt Stephanie. Pragmatiker und konservative Hardliner streiten um Finanzierung und Ausrichtung der Uni. So gab es zum Beispiel Ärger, weil am Studententag getanzt wurde – und das gehöre sich nach islamischen Regeln nicht, so Ali Akbar Welajati.

Grundsätzlich gibt es mehrere sogenannte Privatunis im Iran, die entweder als Bastion von Reformern oder Konservativen gelten - wobei privat etwas ganz anderes als in Deutschland bedeutet. Im Iran heißt das nur: Hier geben Politiker die Richtung vor.

Und auch bei der Expansion ins Ausland geht es eher um politische Interessen als um akademische Zusammenarbeit. Daran ließ schon die Ankündigung der Expansion keinen Zweifel: Da war von "Sicherheit der Region" und "Expansion schiitischer Kultur" die Rede.

"Es steckt mehr als akademische Zusammenarbeit dahinter. Der außenpolitische Berater hat bei der Verkündung der Expansion ganz klar gesagt: Die Sicherheit der Region ist für uns im Fokus und wir wünschen uns eine Expansion der schiitischen Kultur."
Stephanie Rohde, Deutschlandfunk Nova

Klar ist auch: Die drei Staaten Syrien, Irak und Libanon sind für den Iran und seinen schiitischen Korridor im Nahen Osten wichtig. So finanziert der Iran zum Beispiel im Irak seit Jahren kleinere Radio- und Fernsehsender, um so Einfluss auf die schiitische Bevölkerung zu nehmen. Und im Libanon beaufsichtigen Kulturzentren iranisch finanzierte Schulen und religiöse Seminare.

Es spricht auch einiges dafür, dass es einen Zusammenhang zwischen der Expansion der Uni und den Protesten im Iran gibt. So beschuldigen iranische Offizielle Saudi Arabien und Israel die Proteste angeheizt zu haben. Die Folge: Iran will deren Einfluss in Syrien, Irak und Libanon weiter zurückdrängen.

Der Politologe Ahmad Khalid Majidyar analysiert die Lage so: Die Regierung setze mehr auf softe Einflussnahme durch Kultur oder Bildung und weniger auf harte durch das Militär.

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