Bauer Willi hat es vorgerechnet: 2,49 Euro sind nicht genug, um eine Hähnchen artgerecht aufzuziehen. Der Wissenschaftsjournalist Dirk Steffens erklärt noch einmal genauer, warum die Rechnung nicht aufgeht: Zeit, Futter und der Platz für das Tier kosten Geld.

Wir haben neulich die These in den Raum geworfen: "Wer ein Hähnchen für 2,49 Euro kauft, gibt an der Kasse das Recht ab, sich über Massentierhaltung aufzuregen." Gesagt hat das der Landwirt Bauer Willi aus Nordrhein-Westfalen. Wir haben dieses Statement auf Facebook, Google Plus und Twitter gepostet - und ihr habt über das Thema diskutiert. Eine Frage, die dabei immer wieder aufkam: Was muss das Hähnchen denn nun kosten, wenn man ein reines Gewissen haben will?

Der Wissenschaftsjournalist Dirk Steffens hat es probiert. Er hat auf Grund und Boden eines Biobauern versucht, eine eigene Ökohühnerfarm aufzuziehen. Um zu verstehen, wie das funktioniert. Und damit er beide Seiten kennenlernt, hat er anschließend auch noch ein Praktikum bei einem konventionellen Hühnerzüchter gemacht. Also ist er der richtige Mann, um uns die Preisfrage zu beantworten. Für Dirk Steffens ist klar: Bauer Willi hat recht. Für 2,49 Euro gibt es kein faires Hühnchen. Und wer zu diesem Preis trotzdem zuschlägt, trägt auch Verantwortung dafür, dass Hähnchen unter unwürdigen Bedingungen aufwachsen.

Der Faktor Zeit

Dirk Steffens hat versucht, bei seinen Biohühnern alles richtig zu machen und nur nach den strengsten Öko- und Tierwohlrichtlinien zu züchten. Das Ergebnis: Hühnchen von der Steffens-Farm kosten ungefähr das Fünffache eines Tieres aus konventioneller Zucht. Klar ist aber auch - es gibt bei artgerechter Haltung Abstufungen - die sich dann auch auf den Preis niederschlagen.

Was den Preis grundsätzlich in die Höhe treibt? Der Faktor Zeit, erklärt Dirk Steffens. Auch weil bei Biohühnern andere Rassen gezüchtet werden, die langsamer wachsen. Für die Hühner bedeutet das weniger Leid: Ihre Knochen, ihr Sehen und ihr Muskelapparat wachsen langsamer und werden deshalb nicht vom eigenen Gewicht zusammengedrückt. Bei Zuchthühnern kann es passieren, dass ihre Knochen unter der Last des eigenen Gewichts brechen. Wer seinen Hühnern mehr Zeit lässt, muss aber auch mehr füttern - der größte Preistreiber im Geschäft mit dem Huhn. Dazu kommt: Wer ein richtiges Biohuhn werden will, muss auch Biofutter fressen - und das ist teurer als die Industriemischung.

Und da noch ein weiterer Kostenfaktor: Ein Biohühnchen bekommt mehr Platz und im besten Fall auch Auslauf - wenn es um Freilandhühner geht. Zurzeit gilt: Ein konventionelles Hähnchen hat sein Leben lang Anspruch auf so viel Platz, wie auf ein DIN-A4-Blatt passt. Bei Biohähnchen wird diese Fläche auf ein Vielfaches ausgeweitet.