Schlaf ist für die Verarbeitung von emotionalen Erlebnissen wichtig. Das haben Forschende aus Amsterdam in einer Studie bestätigt. Die Erkenntnisse könnten bei der Behandlung von Trauma-Patienten helfen.

Schlaf verbessert die Verarbeitung von emotionalen Erlebnissen. Das fanden Forschende aus Amsterdam in einer Studie heraus. Demnach werden Erlebnisse als weniger beschämend wahrgenommen, wenn wir eine Nacht darüber geschlafen haben. Für den Versuch nahmen die Wissenschaftler*innen Probanden beim Karaokesingen auf - und ließen sie ihren Gesang am nächsten Tag bewerten.

Um sicherzustellen, dass den Probandinnen und Probanden der Gesang peinlich ist, drehten die Forschenden die Musik extrem laut, damit die Teilnehmenden ihre Stimme nicht hörten. Wer das schon mal probiert hat, weiß: Selbst gute Sänger*innen treffen dann meist die Töne nicht mehr richtig.

Nach ein paar Stunden Schlaf weniger rot werden

"Außerdem blieben die Teilnehmenden beim Anhören ihres Karaoke-Gesangs nicht allein im Raum. Den Grad der Peinlichkeit maßen die Wissenschaftler*innen daran, wie stark die Singenden erröteten. Die Verfärbung der Haut lässt sich messen", erklärt Schlafforscherin Christine Blume. Damit ergibt sich ein zusätzliches objektives Maß, um den Grad der Peinlichkeit zu bestimmen. Nach dem Schlaf konnten die Forscher sehen, dass die Probandinnen beim Hören ihrer Stimme weniger rot wurden.

Sie haben die Teilnehmenden auch befragt, wie peinlich ihnen der Gesang beim Anhören war, dieses Rating blieb unverändert. Das erklärt sich aus dem sozialen Kontext heraus, weil uns natürlich peinlich ist, wenn wir schlecht singen.

"Objektiv gemessen war den Teilnehmenden ihr schiefer Gesang also weniger peinlich."
Christine Blume, Schlafforscherin

Die Erfahrungen beim Karaoke waren dabei nur ein Mittel zum Zweck. "Im Kern ging es um die Frage, wie wichtig der Schlaf für die Verarbeitung emotionaler Erlebnisse ist", erklärt Christine Blume. Solche Erkenntnisse können zum Beispiel für die Behandlung von Menschen, die Traumata erlebt haben, wichtig sein. Trauma-Patient*innen sollten demnach keine Medikamente erhalten, die Prozesse stören, die im Schlaf ablaufen.

"Wenn sich der Schlaf als wichtig für die Verarbeitung von Traumata herausstellt, sollte man darauf achten, dass Patient*innen möglichst gut schlafen."
Christine Blume, Schlafforscherin
  • Moderation:  Krissy Mockenhaupt
  • Gesprächspartnerin:  Christine Blume, Schlafforscherin