Viele von uns mögen Mathe gar nicht. Es ist fast schon schick, Zahlen doof zu finden. Aber warum stellen wir uns eigentlich so an? Vor allem: Zahlen und Daten werden immer wichtiger, und die Mathematik kann uns helfen, besser zu entscheiden. Wir sprechen mit dem Mathematiker Christian Hesse: Der steht auf Zahlen.

Ob wir Mathematik mögen oder nicht, hängt häufig davon ab, wie wir das Fach in der Schule erlebt haben. Denn der Matheunterricht kann Furcht einflößen und die Lust am Rechnen nehmen.

Das weiß auch Mathematiker Christian Hesse. Er wünscht sich, dass Mathe an der Schule mit mehr Praxisbezug und Lebensnähe unterrichtet wird. Das heißt, den Schülern soll klar werden, warum Mathe wichtig ist fürs Leben.

Ohne Mathe kein statistisches Denken

Das fängt schon bei der Wetterprognose an. Was genau bedeutet eine 70-prozentige Regenwahrscheinlichkeit? Und die ganzen schicken Infografiken: Was sagen die genau aus? Vermutlich würden auch weniger Leute Lotto spielen, wenn sie sich ein bisschen mehr mit Wahrscheinlichkeiten auskennen würden.

"Wir werden sicher weniger übers Ohr gehauen und getäuscht von Statistiken, die durch die Medien gehen, wenn wir mehr Mathematik-Kenntnisse haben."

Es ist also sinnvoll, Mathe zu verstehen. Als Basis-Mathe-Wissen schlägt Hesse Dreisatz, Bruchrechnung und Prozentrechnung vor. Das ist Stoff der achten Klasse - sollte also zu schaffen sein. Außerdem gibt es viele Bücher und Online-Tutorials, die helfen und Mathematik anders vermitteln als in der Schule.

Mathematik ist ein Kulturgut

In anderen europäischen Ländern wird an Schulen Mathematik mit viel mehr Praxisbezug unterrichtet. Der Grund dafür ist auch eine andere Haltung zur Mathematik, sagt Hesse. "Die Mathematik wird als Kulturgut ersten Ranges gesehen. Das Ansehen der Mathematik ist viel größer als bei uns."

"Wir sind das Land der Dichter und Denker. Viele denken an qualitative Denker wie Hegel oder Heidegger. Kaum an Größen wie Gauß und Einstein."

Dass wir bis heute ein Problem mit Mathe haben, liegt also auch an unserer Geschichte - und an Goethe. Der Dichter hasste nämlich Mathematik und Mathematiker. Er hatte 20 Jahre lang an seiner Farbenlehre gearbeitet - aus geisteswissenschaftlicher Perspektive. Doch Goethe wurde von Mathematikern seiner Zeit nicht ernst genommen, denn der Naturwissenschaftler Newton hatte die Farbenlehre schon mathematisch bewiesen.

Diese alten Streitereien sollten uns aber nicht davon abhalten, uns der Mathematik und unseren Ängsten zu stellen. Denn Mathe-Unwissen ist vielleicht sympathisch, aber keine Lösung...

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