An Weihnachten möchten wir anderen eine Freude machen – und das ist alles andere als einfach. Rebekka Endler hat sich dazu ein paar Gedanken gemacht und auch gleich eine Formel für den Ablauf des Schenkens formuliert, den sie "performativen Eiertanz" nennt.

Auf der Suche nach dem passenden Geschenk, führen die einen das ganze Jahr über Listen im Handy mit Geschenkideen, die anderen laufen kurz vorm Fest etwas kopflos und gestresst durch die Innenstadt oder klicken sich durchs Internet.

Unsere Reporterin Rebekka Endler hat sich ein paar Gedanken zum passenden Geschenk gemacht. Und da schließt sich gleich die Frage an: Wie definieren wir "passendes Geschenk"? Ist es das Geschenk, bei dem sich der oder die Beschenkte nicht mehr einkriegt vor Freude? Oder ist es einfach ein Geschenk, mit dem alle zufrieden sind – auch die Schenkenden, weil sie etwas gefunden haben, was den Geldbeutel nicht übermäßig strapaziert und wofür sie sich beim Überreichen auch nicht schämen müssen.

"Das darf nicht wahr sein. Er hat es sich wirklich gemerkt!"
Rachel in der Serie "Friends"

Rebekka zitiert gerne aus der Sitcom Friends. Ihres Erachtens wird nirgendwo so viel über Geschenke geredet und darüber, welche Gaben was über den Beziehungsstatus aussagen. Etwa in der Folge, in der Rachel eine Brosche von Ross geschenkt bekommt. Ross ist heimlich in Rachel verliebt und hat sich eine Brosche gemerkt, die Rachel schon lange gefiel. Ein Statement, ganz ohne Worte.

Geschenke sind "Gefühle zum Anfassen", hat der Soziologe Helmuth Berking mal gesagt.

Schenken ist Kommunikation

Die Kultursoziologin Elfie Miklautz ist Professorin an der Wirtschaftsuniversität Wien und Autorin des Buches "Geschenkt. Tausch gegen Gabe – eine Kritik der symbolischen Ökonomie". Sie sagt, das Geschenk ist ein Beziehungsangebot.

"Oft ist das Geschenk ja überhaupt so eine Art Beziehungsangebot, das jenseits der Sprache signalisiert, dass man den anderen wertschätzt, ihn anerkennt, ihm Ehre erweist und dadurch eben eine Bindung versucht herzustellen.“
Elfie Miklautz, Kultursoziologin

Elfie Miklautz sagt, das größte Geschenk sei es, wenn man sich dadurch tief im Innersten erkannt fühlt. Und das hängt natürlich davon ab, ob die Gabe einen Nerv getroffen hat – oder nicht. Egal, welche Reaktion kommt, am Ende ist Schenken und Beschenkt-werden Kommunikation. "Selbst, wenn man es zurückweist oder sich nicht dankbar zeigt, ist das eine Form von Antwort, die auf der Beziehungsebene etwas verändert", sagt Miklautz.

Rebekka hat mit ihrer Freundin Cäte übers Schenken gesprochen. Cäte kennt das, was die Soziologin Miklautz übers Schenken sagt, aus eigener Erfahrung: "Ich hatte mal einen Ex-Freund, der wahnsinnig gut war mit Geschenken, herausragend gut. Und vielleicht war das auch der Grund, weshalb wir so lange zusammen geblieben sind, weil ich das Gefühl hatte, immer wenn er mir was geschenkt hat: 'Ah, der Typ sieht mich doch so, wie ich bin oder sein möchte.'"

Oft gibt es Zuschauer beim Schenken

An Weihnachten ist das Schenken natürlich nicht unbedingt nur Kommunikation zwischen Schenkenden und Beschenkten, sondern – dadurch, dass das Ganze oft in einer größeren Runde stattfindet – gibt es auch noch Zuschauende, die beobachten, möglicherweise bewerten und vergleichen: 'Aha, die bekommt also zwei Geschenke – und ich nur eins.' Geschenke sind ein Drahtseilakt mit vielen Ebenen.

"Schon echt seltsam, dass etwas, das so persönlich ist, gleichzeitig so krass ritualisiert ist."
Rebekka Endler, Deutschlandfunk Nova

Rebekka Endler bezeichnet das "Schenken" als performativen Eiertanz, der immer nach dem gleichen Muster abläuft:

  1. Geschenk überreichen.
  2. Freude über das Päckchen zeigen und gleichzeitig betonen, dass es nicht nötig gewesen wäre!
  3. Spannung erzeugen, indem man rätselt, was wohl drin ist.
  4. Auspacken: Überraschung - wow!
  5. Die freudige Reaktion als Dank.

Dieser ritualisierte Spannungsbogen ist wie eine Art sozialer Vertrag und super wichtig, sagt Kultursoziologin Elfie Miklautz – kann auch manchmal ganz schön ausarten oder ruiniert werden, erinnert sich Cäte: "Wir haben uns recht viel auch geschenkt und ich habe mir so einen Sport daraus gemacht, vorher schon zu erraten, was es ist. Und dann war er immer total geknickt, hat sich total geärgert, dass ich das herausgefunden habe."

Auch Schenkende können das Ritual ruinieren

Ruiniert werden kann der Spaß übrigens auch von der Schenkenden. Rebekka zum Beispiel erinnert sich an ein Geschenk: "Ich habe mal zu Weihnachten einen Pullover für meinen Freund bedruckt und dann zum Trocknen einfach über die Wäscheleine mit ganz vielen anderen Klamotten gehängt. Ich dachte, das offensichtlichste Versteck sei das Beste. Pustekuchen! Das ist Jahre her. Und immer noch wird mir vorgeworfen, ich hätte die Überraschung kaputt gemacht und damit das Geschenk ruiniert."

Einfach nichts schenken

Wem all diese Rituale, Erwartungen und Stolperfallen zu blöd sind, kann natürlich einfach gar nichts schenken. Es gibt dann zwar keine leuchtenden Feuerwerksblitze aus den Augen eines oder einer Beschenkten, aber es bedeutet dafür auch weniger Stress und man gibt weniger Geld aus. "Und man könnte das ja auch als ein Geschenk von Lebenszeit betrachten, die man ansonsten mit der Suche verbracht hätte. Und was ist bitte ein wertvolleres Geschenk als Lebenszeit?", findet Rebekka.