Ein US-Unternehmen plant, 2027 ein Weltraum-Hotel zu eröffnen. Bevor es soweit ist, klären wir schon mal, wie erholsam es sich überhaupt im All schlafen lässt.

Zwei Expert*innen klären mit uns die Frage, ob es sich gut im Weltall schlafen lässt: Christine Blume ist Schlafforscherin und Michael Büker Astrophysiker.

Gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus

Aus Sicht der Schlafforscherin werden wir im Weltraum-Hotel einen gestörten Schlaf-Wach-Rhythmus erleben, weil wir keinen Tag-Nacht-Rhythmus wie auf der Erde haben. Fällt dieser Hell-Dunkel-Rhythmus weg, fehlt unserer inneren biologischen Uhr die Orientierung, erklärt Christine Blume. Das wirke sich auf unseren Schlaf aus.

Störfaktoren: Schwerelosigkeit, Umgebungstemperatur, Lärm

Aber auch andere Faktoren können den Schlaf stören. Durch die Schwerelosigkeit können wir nicht wie gewohnt den Körper hinlegen. Dieses Hinlegen verändert aber den Blutdruck und die Durchblutung von Händen und Füßen. Das wiederum habe Auswirkung auf die Körpertemperatur, die normalerweise im Schlaf absinke. Auch die Umgebungstemperatur oder Lärm können störende Faktoren sein, berichtet die Schlafforscherin.

Schlafsack besser fest verankern

Mit diesen Faktoren haben ja Astronauten und Astronautinnen schon heute zu kämpfen, deshalb gebe es auch welche, die einen gewissen Druck auf den Körper wählen, um schlafen zu können, sagt Michael Büker. Auf der Internationalen Raumstation (ISS) schlafen die Astronaut*innen in Schlafsäcken, die an der Wand verankert werden können, damit sie an Ort und Stelle bleiben, erklärt der Astrophysiker.

"Generell schlafen die Leute zum Beispiel auf der ISS in Schlafsäcken. Sie können sich dann aussuchen, ob sie den Schlafsack außerdem noch an der Wand festschnallen, um dann auch tatsächlich an einem Ort zu bleiben."
Michael Büker, Astrophysiker

In der Regel schlafen die Astronaut*innen in fensterlosen, abgedunkelten Schlafkabinen, weil auf der ISS alle 47 Minuten die Sonne auf- und untergeht. In der Raumstation werde mit künstlicher Beleuchtung ein Hell-Dunkel-Rhythmus erzeugt, sodass annähernd so etwas wie ein Tag-Nacht-Rhythmus entstehe, erklärt der Astrophysiker.

Trotzdem werde man damit nicht ähnliche Gegebenheiten herstellen können wie durch das natürliche Sonnenlicht auf der Erde, ergänzt die Schlafforscherin. Das beeinflusst wesentlich unseren circadianen Rhythmus, der sich an einer Periodenlänge von 24 Stunden ausrichtet.

Astronauten leiden unter Schlafmangel

Wie ausgeschlafen sich Astronauten und Astronautinnen tatsächlich fühlen, hat eine Studie erfasst, die Schlafaufzeichnungen von 85 Astronaut*innen in der Zeit von 2001 bis 2011 ausgewertet hat, die im Space Shuttle und auf der ISS unterwegs waren. Aufgezeichnet wurde der Schlaf vor, während und nach den Raumflügen. Insgesamt seien 3000 Tage und Nächte im All und 4000 auf der Erde zusammengekommen, sagt Michael Büker.

Ein Ergebnis der Studie ist, dass die Astronaut*innen weniger oder gar nicht schlafen, berichtet Christine Blume.

"Auf jeden Fall zu wenig Schlaf oder eben Schlaf, der nicht dann stattfindet, wenn unsere innere Uhr auf Nacht steht. Das ist einfach nicht erholsam, da ist auch die Qualität oft beeinträchtigt. Und das sieht man eben auch an der Schlafdauer."
Christine Blume, Schlafforscherin

Im Schnitt hätten die Astronaut*innen sechseinhalb Stunden geschlafen. Wenn die Schlafdauer dann noch weiter abnimmt und das über einen längeren Zeitraum, leide die Reaktionszeit darunter. Man fühle sich dann müde, schläfrig und mental wie körperlich erschöpft.

Die Situation, dass die Astronaut*innen nicht schlafen könnten, wenn die innere Uhr auf Nacht stehe, hänge auch mit einem vorgeschriebenen Rhythmus auf der ISS zusammen, sagt die Schlafforscherin. Dieser 24-Stunden-Arbeitsrhythmus sei mit dem Kontrollzentrum auf der Erde abgestimmt, um die Arbeiten zu koordinieren, erklärt Michael Büker.

Deshalb empfiehlt Christine Blume, dass auf der ISS eine Lichtumgebung geschaffen werde, die der der Erde ähnlich ist: Viel Licht am Tag, gedimmtes und möglichst wenig blaues Licht in der Nacht. Zusätzlich könnten die Astronaut*innen das Hormon Melatonin einnehmen, dass ihnen beim Einschlafen helfen könne.

Wie Lichtblitze den Schlaf der Weltraumfahrenden stören, Routinen bei der Gewöhnung an den Weltraumschlaf helfen können und warum weder Christine Blume noch Michael Büker in so einem Weltraum-Hotel übernachten würden, erfahrt ihr, wenn ihr das ganze Gespräch hört. Einfach oben auf den Playbutton klicken.