Jeden Tag kommen hunderte Tonnen Güter an europäischen Häfen an. Und es werden immer mehr, wie Prognosen zeigen. Die Schifffahrt bedroht damit nicht nur das Leben unter Wasser, sondern auch die Einhaltung der Klimaziele.

Eigentlich ist der Transport per Schiff die effizienteste Methode, wenn man auf das Verhältnis von Energieverbrauch pro Kilo zu zurückgelegten Kilometern schaut. Aber ein neuer Bericht zeigt: Der Schiffsverkehr in der EU macht 13,5 Prozent aller Treibhausgas-Emissionen im Transportsektor aus. Das ist fast so viel wie der gesamte Flugverkehr der EU.

Wie viele Schiffe derzeit für die Europäische Union auf den Weltmeeren unterwegs sind, ist nur schwer zu beziffern. Ein Bericht aus 2019 zeigt beispielsweise, dass mehr als ein Drittel aller international tätigen Handelsschiffe Einzelpersonen oder Firmen in der EU gehörten. Davon waren 80 Prozent Containerschiffe, Schüttgut-Transporter oder Tankschiffe. Vor der Coronakrise ist diese Zahl kontinuierlich gestiegen.

Treibhausgase, Ruß, Feinstaub

Diese Zahl alarmiert die Autorinnen und Autoren des aktuellen Bericht, da die EU 2050 eigentlich klimaneutral unterwegs sein wollte. Doch nicht nur die Treibhausgase stellen ein Problem dar, sondern auch ein hoher Ausstoß von Ruß und Feinstaub. Gerade Kreuzfahrtschiffe sind da Spitzenreiter.

"Ein durchschnittliches Kreuzfahrtschiff in der EU stößt pro Jahr etwa 10 Tonnen Ruß aus. Ein Containerschiff 3,5."
Veronika von Borries, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Warum die Ausstoßmengen so unterschiedlich groß sind, ist für die Forschenden schwer zu erklären, da der Ruß-Ausstoß in der EU nicht geregelt ist. Sie vermuten aber, dass es unter anderem damit zusammenhängen kann, welcher Treibstoff verwendet wird.

Bedrohung für Meeresbewohner

Auch für die Meere und ihre Bewohner ist die Schifffahrt ein echtes Problem. Beispielsweise schädigt die Lärmbelastung unter Wasser, die immer mehr zunimmt, Delfine und Wale. Zusammenstöße mit Walen enden zudem oft tödlich für die Tiere.

Außerdem leiten viele Schiffe nicht nur ihr Abwasser ins Meer, sondern verschmutzen es auch durch verlorenes Öl oder abbröckelnde, giftige Farbe. Die giftige Farbe wird verwendet, damit sich an den Schiffsrümpfen keine Muscheln oder andere Lebewesen ansiedeln.

"Dann leiten viele Schiffe ihr Abwasser einfach ins Meer, Schiffe verlieren immer ein bisschen Öl hier, ein bisschen Farbe da."
Veronika von Borries, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Ein weiterer Nachteil für die Umwelt: Schiffe gelten mittlerweile als größter Verbreiter von invasiven Arten, da sich beispielsweise Fischlarven, die in einem Ballastwasser-Tank unbemerkt mitgereist sind, im Meer verbreiten können. Ganz zu schweigen vom Plastik vom Plastikmüll wie beispielsweise Fischernetze, der über Board geht, sagt Veronika von Borries.

EU-Regeln können leicht umgangen werden

Die EU hat zwar bereits sehr strenge Umwelt-Auflagen für die Schifffahrt erlassen, aber die greifen derzeit noch nicht. Denn erstens werden viele Schiffe lange genutzt, es dauert also, bis neue zum Einsatz kommen, die den aktuellen Regeln entsprechen.

Und zweitens reicht es oft, das Schiff einfach außerhalb der EU zu verkaufen oder auszuflaggen, um den strengen Regeln entgehen zu können. Das wird beispielsweise auch gerne gemacht, bevor Schiffe verschrottet werden.