Wespen haben einen schlechten Ruf: Viele nehmen sie wohl als Störfaktor wahr, den sie abwimmeln möchten. Wespen helfen allerdings der Natur und damit letzten Endes auch uns. Und wir können ein paar Dinge beachten, damit wir sie nicht provozieren.

Kaum sitzen wir draußen, nähert sich ein leises Surren, das immer lauter wird: Wespen haben gerade Hochsaison. In diesem Jahr wird es wahrscheinlich besonders viele von ihnen geben.

"Es ist davon auszugehen, dass 2022 ein gutes Wespen-Jahr wird."
Derk Ehlert, Wildtierbeauftragter der Berliner Senatsverwaltung

Grund ist das Wetter. Trockenheit und hohe Temperaturen sorgen aktuell dafür, dass sich die Wespen und Hornissen gut vermehren können, erklärt Derk Ehlert, Wildtierbeauftragter der Berliner Senatsverwaltung. Ab Ende Juli werden wir vermutlich sehen, wie gut der trockene Sommer der Wespe tut.

Was die Wespe für uns tut

Einige Menschen werden bei dieser Nachricht vermutlich mit den Augen rollen – die Wespe hat ein Imageproblem. Wir finden sie lästig, wenn sie im Sommer um unser Eis herumschwirrt oder sich bei der Grillparty als ungebetener Gast dazugesellt. Was viele nicht wissen, ist, welchen Vorteil uns die Wespe bringt.

"Wir brauchen die Wespen", sagt Derk Ehlert. Denn: Ohne die schwarz-gelben Flieger gäbe es mehr Kleininsekten wie Mücken. Die frisst die Wespe nämlich zuhauf. Sie zerkleinert ihre Nahrung auch in pflanzenaufnehmbare Stoffe, die Bäume zum Beispiel brauchen.

Ohne diese Umwandlung durch die Wespe würden Bäume weniger wachsen und letztendlich weniger Sauerstoff produzieren. "So lästig die Wespe uns sein mag: Die Wespe ist uns nützlich, sagt er.

Im Juli Proteine, ab August Süßes

Außerdem interessieren sich von den insgesamt acht Wespenarten, die in Deutschland heimisch sind, gerade mal zwei für unser Essen: die Gemeine Wespe und die Deutsche Wespe. Sie stehen auf Herzhaftes und Süßes.

Im Juli brauchen sie alles, was Proteine enthält zum Aufziehen ihrer Brut. Das kann das Fleisch sein, das auf dem Grill liegt oder auch kleine Insekten. Wenn es ihrer Brut gut geht, kümmern sich die Wespen um sich selbst und suchen nach Kohlenhydraten, also nach den süßen Sachen, die auch mal auf unserem Teller liegen. Dazu kommt es, je später der Sommer wird, ungefähr ab August.

Was wir machen können

Was helfen kann, um die Flieger von unserem Essen abzulenken, ist anderes Essen, das wir einige Meter von uns weg platzieren. Derk Ehlert empfiehlt zum Beispiel ungefähr zehn Meter vom Sitzplatz überreife Weintrauben hinzustellen. Das zieht die Wespen an und lockt sie von unserem Essen weg. Was auch hilft, ist, Essen abzudecken.

Was wir lassen sollten, ist, Wespen durch heftige Bewegungen versuchen abzuschütteln oder sie wegzupusten. Damit erreichen wir genau das Gegenteil: Die Wespe ist in Alarmbereitschaft und denkt, sie müsste sich schützen. Was dazu führen kann, das sie uns sticht.