Selten verirren sich Touristen nach Hebron im Westjordanland. Jetzt gibt es dort ein Hostel für Rucksacktouristen. Der Hostel-Betreiber hofft, dass deshalb mehr Menschen in der geteilten Stadt kommen.

Mehr als 200.000 Menschen leben in der geteilten Stadt Hebron. Die Mehrheit wohnt in dem palästinensischen Teil. Auf der israelisch kontrollierten Seite leben rund 800 Juden und 30.000 Palästinenser.

"Hebron ist der Ort, an dem der israelisch-palästinensisch Konflikt bis heute am deutlichsten spürbar und am greifbarsten ist. Es ist so, dass Straßenschlachten fast zur Tagesordnung gehören."
Kilian Neuwert, Korrespondent im Nahen Osten

Die Stadt zieht kaum Touristen an, was zum großen Teil mit der Sicherheitslage zu tun hat. Immer wieder eskaliert die Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern. In keiner anderen Stadt würde man den Konflikt so deutlich wahrnehmen. 

Gewalt schreckt Touristen ab

Die wenigen Touristen, die dort ankommen, fallen auf, sagt Korrespondent Kilian Neuwert. Die meisten seien Rucksacktouristen.

"Das sind im Regelfall Rucksacktouristen. Ich habe einige Europäer getroffen wie Franzosen, Deutsche oder Niederländer, die sich dort selbst als Exoten gefühlt haben."
Kilian Neuwert, Korrespondent im Nahen Osten

Genau da, wo regelmäßig der Konflikt und die Straßenschlachten eskalieren, hat ein junger Palästinenser ein Hotel aufgebaut, berichtet Kilian Neuwert. 

Ghassan Jabari ist Anfang 20 und in der Altstadt von Hebron aufgewachsen. Auch seine Familie hat in den vergangenen Jahren schwere Schicksalsschläge erlitten, erzählt Kilian Neuwert. Ghassan hat vor wenigen Wochen ein Hostel für Touristen aufgemacht.

"Ich hatte das Gefühl, dass ich etwas machen könnte, das die Leute nach Hebron lockt, damit sie sehen, wie die Situation ist."
Ghassan Jabari, Hostel-Besitzer

Ghassans Motivation ist eine politische. Er hofft, Menschen von außerhalb zeigen zu können, wie die Menschen in Hebron leben. Die Unterkunft ist einfach und günstig. Es gibt Schlafsäle und Einzelzimmer. Noch ist das Hostel nicht ausgebucht. In der Zwischenzeit verdient Ghassan weiter seinen Unterhalt als Stadtführer.

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