Die Wahrscheinlichkeit, dass der Vulkan auf White Island in Neuseeland wieder ausbricht, liegt bei 50 Prozent. Die Insel zu betreten, ist wahnsinnig gefährlich. Trotzdem wollen es die Behörden versuchen, um die Leichen zu bergen.

Eine schwierige Entscheidung für Helfer und Behörden in Neuseeland: Sollen sie aufbrechen, um die Leichen auf der Insel zu bergen oder nicht? Fest steht: Es ist wahnsinnig gefährlich. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Vulkan Wahkaari auf der Insel White Island noch einmal ausbricht, liegt bei 50 Prozent.

Trotzdem wollen sie es wagen, denn wenn sie die Leichen nicht jetzt holen, werden sie nach dem nächsten Ausbruch nicht mehr zu finden sein.

Drohnenbilder helfen Rettern bei der Bergung

Bei Tagesanbruch soll es los gehen. Die Behörden haben entschieden, das Militär auf die Insel zu schicken. Mit einer sogenannten "snatch and grab operation" – was so viel bedeutet wie: Schnell hin und so schnell wie möglich die menschlichen Überreste auf der Insel bergen. Orientierung bekommen die Helfer durch Drohnenbilder, die vorher schon Standorte ausfindig gemacht haben, sagt Lena Bodewein, ARD-Korrespondentin für Südostasien.

"Schnell hin und die Körper von der Insel holen, von denen man durch Drohnenflüge so halbwegs weiß, wo sie sind."
Lena Bodewein, ARD-Korrespondentin für Südostasien

Der Plan, auf die Insel zu gehen, ist zunächst unter Vorbehalt. Sollte sich über Nacht etwas an der Sicherheitslage ändern, wird die Bergung wieder abgesagt, schätzt Lena Bodewein. Bisher gehen aber alle davon aus, dass sie stattfindet.

Acht Vermisste auf der Insel

Acht Vermisste sind noch auf der Insel. Sie waren Teil einer Touristengruppe, die zu einer Wanderung dort war und dem Vulkan am nächsten war. "Es ist nicht davon auszugehen, dass irgendjemand den Ausbruch überlebt hat", sagt Lena Bodewein.

"Bei dem Ausbruch gab es solch eine starke Wucht, so viel Hitze und giftige Gase, dass das niemand überlebt haben kann."
Lena Bodewein, ARD-Korrespondentin für Südostasien

Von denen, die den Vulkanausbruch auf White Island überlebt haben, kämpfen immer noch einige ums Überleben. Die 13 und 16 Jahre alten Brüder haben den Kampf in der Nacht verloren. Ihre Eltern gehören zu den Vermissten auf der Insel. Insgesamt gibt es jetzt acht bestätigte Tote – hinzu kommen die acht Vermissten auf der Insel.

120 Quadratmeter Haut werden zur Transplantation eingeflogen

Andere haben starke Verbrennungen – teilweise sind 30 bis 90 Prozent der Haut verbrannt. Lena Bodewein berichtet, dass Ärzte in Neuseeland rund um die Uhr operieren und auch Verstärkung und Unterstützung angefordert haben. "Aus den USA und Australien werden zur Transplantation 120 Quadratmeter Haut eingeflogen."

"Durch die Hitze und die Chemikalien sind die Verbrennungen nochmal schlimmer als "normale" Verbrennungen. Deshalb muss jetzt schnell transplantiert werden."
Lena Bodewein, ARD-Korrespondentin für Südostasien