In vielen Games geht es ums Ballern und um Action. Nicht aber in sogenannten Wholesome Games. Die verzichten komplett auf Gewalt, auf Waffen und auf Action. Wer ein Wholesome Game spielt, soll entspannen können und sich im Videospiel rundum wohl fühlen.

Am 15. Dezember erscheint zum Beispiel "Aka": Die Spieler*innen schlüpfen in die Rolle eines etwas pummeligen Fuchses, erkunden eine Insel, kümmern sich um Tiere und Pflanzen, streicheln Babydrachen oder machen einfach nur ein Nickerchen. Das Ziel des Spiels ist es, den inneren Frieden zu finden.

"Das ist alles sehr lieb, süß, irgendwie kuschelig. Ein sehr typisches Wholesome-Game."
Thomas Ruscher, Deutschlandfunk-Nova-Games-Experte

Der Fuchs ist Kriegsheimkehrer, er kommt von der Front zurück nach Hause und sucht seine Ruhe. Anke Günther, Professorin für Gamedesign an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg definiert Spiele wie "Aka" folgendermaßen:

"Wholesome Games zeichnet im Normalfall aus, dass sie gemütlich sind, dass sie behaglich wirken. Und was ganz wichtig ist: dass sie so eine ganz feine und schöne Stimmung haben." Sie sagt, dass Wholesome Games nicht nur Wohlfühlthemen aufnehmen, auch Krieg kann thematisiert werden, aber die Themen würden nachdenklich und respektvoll behandelt. Sie selbst arbeitet mit ihrem Studio Beardshaker Games am Wholesome Game "Soulitude".

"Wir haben jetzt eine Blütezeit von Wholesome-Games."
Thomas Ruscher, Deutschlandfunk-Nova-Games-Experte

Ruhige, entspannende Spiele sind nicht neu, aber sie haben gerade eine Art Hochkonjunktur. Der Hintergrund: Entwicklungsteams haben sich ganz bewusst während der Corona-Pandemie dazu entschieden, auf Stress, Action und Gewalt zu verzichten, um ein warmes, friedliches Spielgefühl zu vermitteln – und nun erscheinen diese Spiele nach und nach.

"Auf der Gamescom im August war gefühlt jedes zweite Indiegame ein Wholesome Game", berichtet Thomas Ruscher. In diesem Jahr gab es auch zum ersten mal die Wholesome-Game-Awards, wo die besten Spiele dieser Art ausgezeichnet wurden.

Wholesome Games sind eher keine Blockbuster

"Aka" stammt von einem französischen Team, aber auch in Deutschland veröffentlichen Entwickler*innen gerade Wholesome Games. Dazu gehört zum Beispiel "Plank Builders". Das Spiel greift diese Der-Boden-Ist-Lava-Fantasie von Kindern auf. Spieler*innen können in "Plank Builder" Brücken durch ein Kinderzimmer bauen, um Hindernisse zu überwinden.

Besonders beliebte Wholesome Games sind "Animal Crossing" oder "Spiritfarer". Im letzteren spielt man die Kapitänin eines Schiffes, die verstorbene Menschen auf ihrer letzten Reise begleitet und ihnen hilft. "Das hat sich immerhin eine Million Mal verkauft", sagt Thomas Ruscher.

Wholesome Games sind eher Nischen-Spiele

Die großen Blockbuster bleiben allerdings Spiele wie "Call of Duty". Gerade kleine Studios können nicht im Entferntesten mit diesen großen Spielen konkurrieren – denn die kosten zum Teil hunderte Millionen Euro.

"Also ist es für sie durchaus sinnvoll, kleinere Spiele zu machen – und Wholesome Games können in ihrer Nische erfolgreich sein. Es wird da immer wieder auch Spiele geben, die ein Millionen-Publikum finden können", sagt unser Games-Experte. Das sind dann aber einzelne Beispiele. Im ganz großen Mainstream werden die meisten der Wholesome Games nicht ankommen.

  • Moderatorin:  Steffi Orbach
  • Gesprächspartner:  Thomas Ruscher, Deutschlandfunk Nova