Wildkaninchen, Füchse, Dachse und Waschbären sind in die Städte gezogen. Auch der Feldhase kommt zu uns. Aber obwohl Ostern ist, müssen wir großes Glück haben, ihn zu sehen.

Wer das natürliche Vorbild für den Osterhasen, den Feldhasen, sehen will, muss nicht unbedingt aufs Feld. Inzwischen gibt es ihn auch in der Stadt. In Stuttgart zum Beispiel ist er gesichtet worden. Viel häufiger dagegen ist in Städten das Wildkaninchen anzutreffen. In manchen Stadtparks sieht man dutzende von ihnen.

Unterschied Wildkaninchen und Feldhase

Feldhase und Wildkaninchen sind nicht schwierig zu unterscheiden. Der Feldhase hat deutliche schwarze Flecken an den Ohrspitzen, ist größer, hochbeiniger, und hat größere hellere Augen als die Kaninchen. Die wiederum haben als Alleinstellungsmerkmal die weiße Blume, also das Schwänzchen, das sie beim Weglaufen nach oben ziehen.

Insgesamt machen sie einen etwas niedlicheren Eindruck als die Hasen. Und sie treten meistens in Gruppen auf. Feldhasen sind eher Einzelgänger.

Kaninchen fühlen sich wohl in der Stadt

Insgesamt hat die Population von Wildkaninchen in den Städten zugenommen, sagt Geva Peerenboom, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Arbeitsbereich Wildtierökologie und Wildtiermanagement der Universität Freiburg. Zum einen wird woanders der Lebensraum weniger, wenn zum Beispiel die industriell geprägte Landwirtschaft dafür sorgt, dass Heckenstrukturen weniger werden.

Zum anderen fühlen sich die Kaninchen in den Städten auch wohl: Hier gibt es solche Hecken, auch kleine Hügel, und es ist insgesamt ein bisschen wärmer.

"Wenn eine Rotte Wildschweine in die Stadt kommt und auf dem Fußballplatz nach Regenwürmern sucht, dann ist das sofort teuer."
Geva Peerenboom, Universität Freiburg

Wie viele Kaninchen in den Städten und auf dem Land leben, ist aber schwierig zu sagen, sagt Geva Peerenboom. Denn immer wieder sterben auch viele Tiere auf einmal, wenn sie von eine Krankheit befallen werden.

Auch für Feldhasen ist der Lebensraum weniger geworden, zum Beispiel, weil es weniger Wildkräuter gibt, von denen sie sich ernähren. Wie viele aktuell wo leben, ist nicht genau bekannt. Auch deshalb interessiert sich Forscherin Peerenboom besonders dafür, wie viele Feldhasen bei der Zählung "Wilde Nachbarn" gezählt werden, die noch bis zum 8. April läuft und bei der die Einwohner Baden-Württembergs aufgerufen sind, ihre Wildtier-Beobachtung zu melden.

Wildtiere in der Stadt: Problem oder Bereicherung?

Neben dem Wildkaninchen und den Feldhasen gibt es noch diverse andere Wildtiere, die in Städten leben. Ein Klassiker ist der Steinmarder, der für den berühmten Marderschaden beim Auto bekannt ist und den sogar KFZ-Versicherungen berücksichtigen. Zu beobachten sind unter anderem aber auch Füchse, Dachse, Waschbären und Wildschweine.

"Beim Fuchs in der Stadt können wir Entwarnung geben. Die Tollwut ist bei uns weitestgehend ausgerottet."
Geva Peerenboom, Universität Freiburg

Gefährlich für den Menschen sind diese Tiere alle nicht. Auch dass der Fuchs die Tollwut in die Stadt bringt, ist eine verbreitete Sorge, die unberechtigt ist. Sachschäden aber gibt es durchaus häufig. Und da ist ein durchgebissenes Kabel unter der Motorhaube ein kleines Problem verglichen mit dem, wenn eine Horde Wildschweine auf einem Fußballrasen nach Regenwürmern sucht.

Wer es Wildtiere in der Stadt erleichtern will, kann zum Beispiel im Herbst im Garten einen Laubhaufen liegen lassen, um dem Igel einen Schlafplatz anzubieten. Auch der Verzicht auf das Sprühen mit Insektenvernichtungsmitteln hilft - in dem Fall den Vögeln, die von Insekten leben.

"Der beste Umgang mit einem Wildtier in der Stadt ist ein gesunder Abstand. Einfach in Ruhe beobachten."
Geva Peerenboom, Universität Freiburg

Dagegen unterlassen, sagt Forscherin Peerenboom, sollte man das aktive Füttern von Tieren zum Beispiel mit Katzenfutter. Dadurch wird das Tier zahmer, es verliert die Scheu vor dem Menschen, was sowohl für das Tier als auch den Menschen im Zweifelsfall zum Risiko werden kann.

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