Wenn es im Winter glatt wird und der erste Schnee fällt, rückt der Winterdienst aus, um die Fahrbahnen zu streuen. Und auf den Gehwegen wird gestreut und geschippt. Nur die Radwege werden gerne vernachlässigt. Auch, weil es nicht so einfach ist, da zu streuen.

Der Einsatz von handelsüblichem Natriumchlorid, also Streuzsalz, ist in vielen Gemeinden im privaten Bereich verboten. Außerdem schädigt es Bäume und Pflanzen, weil es sich über längere Zeit im Boden anreichert. Weil das Salz mit dem Schmelzwasser in die Gewässer gelangt, geraten sie durch den erhöhten Salzgehalt aus dem Gleichgewicht.

Salz hat viele Nachteile - auch für zarte Pfoten

Bei Hunden und Katzen führt das Salz zu Entzündungen an den Pfoten, wenn sie längere Zeit darauf laufen. Schädlich sind Streusalze außerdem für Beton-Bauwerke und Fahrzeuge. Es gibt also gute Gründe für einen möglichst sparsamen Einsatz von Natriumchlorid.

An der Technischen Universität in Dresden sucht deshalb ein Forschungsteam nach Alternativen, auch um Radwege im Winter befahrbar und sicher zu machen. Die Studie ist Teil des Nationalen Radverkehrsplans 2020. Verkehrsingenieurin Maike von Harten ist Teil des Forschungsteams. Sie erklärt, dass im Prinzip alle chloridhaltigen Salze keine wirkliche Alternative zu Natriumchlorid sind, also etwa Magnesiumchlorid oder Calciumchlorid. Sie wirken ähnlich schädlich auf die Umwelt.

Salz-Alternative: Pottasche

Bei Radwegen ergibt sich außerdem das Problem, dass die Salze, die Schnee und Eis auftauen, in Form von Spritzwasser in die angrenzenden Grünbereiche eindringen können und dort eben zu Pflanzenschäden führen.

Ein alternatives Schmelzmittel ohne chloridhaltige Salze ist Kaliumcarbonat, besser bekannt als Pottasche. Auch das senkt den Gefrierpunkt, ist dabei aber weniger umweltschädlich als die Streusalz, erklärt Maike von Harten. Pottasche ist ein weißes Pulver, das industriell hergestellt wird. Aktuell wird es vor allem in sogenannten "natursensiblen Bereichen" eingesetzt, erklärt die Forscherin. Dass es teurer ist, sei aber eventuell auch hinnehmbar, wenn man dadurch andere negative Wirkungen vermindert.

Abstumpfende Streumittel keine gute Alternative

Um den Salzeinsatz zu verringern, werden zum Beispiel andere Stoffe zugemischt wie Traubenkerne. Die haben aber eher eine abstumpfende Wirkung. Ähnlich wie bei Split oder Sand soll so die Reibung zwischen dem Fahrzeug und dem Untergrund erhöht werden, damit es nicht rutscht. Das Problem gerade bei Radwegen ist, dass die Reibung in Kurven geringer ist, dadurch die Reifen weniger Haftung haben und dann trotzdem wegrutschen.

"Das ist generell ein Problem auch bei Granulaten, die auf Radwegen liegen, dass vor allem in Kurven die Reibung geringer ist und man die Haftung verliert."
Maike von Harten, Verkehrsingenieurin

Abstumpfende Streumittel bieten deshalb keine zufriedenstellende Alternative für die Forschenden. Die Suche nach einem geeigneten Streumittel gestaltet sich aber auch deshalb schwierig, weil die Interessenlage so vielfältig ist. Denn es geht neben der Verkehrssicherheit für die Radfahrenden auch um betriebliche Anforderungen.

Je nachdem welches Streumittel zum Einsatz kommen soll, müssen entsprechende Fahrzeuge zur Verfügung stehen, die es verteilen. Dann muss das Streumittel auch in großer Menge verfügbar sein, was bei Traubenkernen zum Beispiel nicht der Fall sein würde. Und auch auf die entstehenden Kosten müssen die Forschenden ein Auge haben.

"Zu einem guten Winterdienst gehört mehr als ein Streumittel."
Maike von Harten, Verkehrsingenieurin

Ein guter Winterdienst zeichnet sich aber nicht nur durch das richtige Streumittel aus. Dazu gehört auch, dass für Radwege entsprechende Prioritäten eingeräumt werden und sie so geräumt werden, dass Menschen morgens sicher mit dem Rad zur Arbeit kommen. Bislang werden Radwege da eher nachrangig behandelt.

Am Ende der Studie von Maike von Harten und ihren Mitforschenden soll eine Empfehlung stehen, die in Form eines Leitfadens veröffentlicht wird. Die soll dann an die Kommunen oder die entsprechenden Verantwortlichen für die Winterdienste verteilt werden.

Ob und wie diese Empfehlungen dann umgesetzt werden, hängt von den jeweiligen Kommunen ab. Dass es da keine einheitliche Regelung gibt, hängt auch damit zusammen, dass die klimatischen Bedingungen sehr verschieden sein können und vor Ort entsprechend gehandelt werden.