Irgendwo zwischen Herstellungskosten und Verbraucherpreis liegt der Erzeugerpreis. Wirtschaftsjournalist Nicolas Lieven erklärt, was dort eingerechnet wird.

Die Preise für Lebensmittel sind seit Herbst 2021 rasant gestiegen. Die Erzeugerpreise für landwirtschaftliche Produkte lagen im April 2022 um 39,9 Prozent höher als im April 2021. Erzeugerpreise sind keine Supermarktpreise, sondern in den Erzeugerpreis wird alles mit eingerechnet, was bei der Produktion anfällt, erklärt der Wirtschaftsjournalist Nicolas Lieven.

Er sagt: "Die Erzeugerpreise gelten als Gradmesser für das, was auf die Verbraucher zukommt." Sie liegen zwischen den Verbraucherpreisen und den Herstellungskosten.

"Erzeugerpreise sind das, was die Unternehmen für ihre Waren verlangen, bevor sie in den Handel kommen."
Nicolas Lieven, Wirtschafts- und Politikredakteur beim NDR

In Erzeugerpreise werden also beispielsweise die Kosten für Rohstoffe eingerechnet: Für Chemikalien, Dünger zum Beispiel, für Energie und für Löhne. Bei landwirtschaftlichen Produkten steigen die Erzeugerpreise gerade besonders stark.

Preissteigerung in der Landwirtschaft

Das gilt sowohl für tierische als auch für pflanzliche Produkte. Die Preise steigen, weil eigentlich alle Bereiche der Herstellungskosten in der Landwirtschaft gestiegen sind, sagt Nicolas Lieven. Bei manchen Produkten gibt es Ausnahmen, beim Obst und den Beeren zum Beispiel. In diesem Jahr sei an verschiedenen Standorten in Europa die Erdbeerernte zeitlich zusammengefallen. Das führe saisonal zu einem Überangebot und zu relativ niedrigen Preisen.

Nicolas Lieven weist darauf hin, dass im Wesentlichen zwei Maßnahmen diskutiert werden, um den insgesamt hohen Lebensmittelpreisen die Härte zu nehmen: eine Anpassung der Mehrwertsteuer für Obst und Gemüse und eine Erhöhung des Hartz-4-Satzes.

Lebensmittelverschwendung reduzieren

Rund ein Drittel der bereits gekauften Nahrung werde allerdings auch weiterhin wegegeschmissen, sagt Nicolas Lieven. Die Preissteigerungen führen offenbar noch nicht dazu, dass weniger Lebensmittel verschwendet werden. Nicolas Lieven empfiehlt, mit Einkaufsliste einzukaufen.

"Möglichst nur so viel einkaufen, was man isst. Es wird immer noch ein Drittel ungefähr weggeschmissen."
Nicolas Lieven, Wirtschafts- und Politikredakteur beim NDR

Er verweist auf Apps und Plattformen, die Lebensmittelverschwendung reduzieren möchten und nennt beispielsweise To-Good-to-Go. Hier können Supermärkte, Bäckereien, Lieferdienste und Gastrobetriebe Lebensmittel vergünstigt anbieten, die ansonsten am Ende des Tages entsorgt würden. Eine weitere Anlaufstelle: Die Seite zugutfuerdietonne.de listet Deutschlandweit Initiativen und Projekte auf, die sich vor Ort gegen Lebensmittelverschwendung engagieren.