Phänomene, die nur zufällig passieren, sind im Labor schwer zu erforschen. Wissenschaftler haben dafür jetzt Youtube als Quelle entdeckt.

Wissenschaftler wollen eigentlich sehr saubere Daten, und am liebsten möchten sie die selber erheben. Und jetzt auf einmal das: Sie nutzen unscharfes, verwackeltes Material von Amateurfilmern für ihre Forschung. Warum machen sie das? Weil es Gebiete in der Wissenschaft gibt, in denen es sehr schwierig ist, überhaupt an Daten zu kommen. Zum Beispiel ist das der Fall bei zufälligen Phänomenen.

"Überschwemmungen zum Beispiel: Da ist man oft nicht zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort."

Bei Youtube gibt es genau das: zig Filmchen von Überschwemmung oder anderen Naturereignissen, weil zufällig gerade jemand dabei war und sofort mit dem Handy gefilmt hat. Mit solchen Überschwemmungs-Daten beschäftigt sich gerade zum Beispiel eine französische Forschergruppe – und versucht anhand der Videos Antworten auf Fragen zu bekommen wie: Wie viel Wasser ist da jetzt durchgeflossen? Wo genau ist es lang geflossen?

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Bitte filmen Sie hier!

Die französischen Forscher, die gerade Hochwasser und Überschwemmungen untersuchen, gehen sogar soweit, dass sie darüber nachdenken, Hinweisschilder an Brücken und Pfeilern anzubringen. Auf diesen Tafeln wollen sie den Anwohnern dann erklären, wie genau sie im Fall eines Hochwassers filmen sollten, damit das Material für die Wissenschaftler verwertbar ist.

Schadenfreude macht‘s möglich

Ein ähnlich zufälliges Phänomen sind Stürze. Auch die sind nicht vorhersehbar. Gerade für ältere Menschen sind Stürze ein großes Gesundheitsrisiko. Wenn die Forschung mehr über Ursachen und genaue Bewegungsabläufe herausfinden will, bleibt am Ende nur das Material von Menschen, die zufällig gerade gefilmt haben, als jemand gestolpert, ausgerutscht, der Länge nach hingefallen ist.

Das Material ist natürlich sehr uneinheitlich, denn jeder filmt eine Überschwemmung oder einen Sturz aus anderen Perspektiven. Aber es gibt inzwischen auch Hilfsmittel, um die Bilder etwas vergleichbarer zu machen. Zum Beispiel können Programme andere Blickwinkel für ein Bild berechnen.

Die Youtube-Forschung ist zeitintensiv

Hüfte, Gelenke, Beine, Füße – damit der Computer anschließend die Daten weiterverarbeiten kann, haben die Forscher die Youtube-Videos bearbeiten müssen. Vermutlich wird sich das jedoch mit fortschreitender Entwicklung in der Bilderkennung ändern.

"Ja, das ist im Moment noch viel Handarbeit. Bei den Stürzen zum Beispiel mussten die dann in jedem Bild die Leute markieren."
Reto Schneider, Wissenschaftsjournalist

Auch in der Tierverhaltensforschung lassen sich übrigens viele Situationen nicht künstlich herbeiführen. Gähnen beispielsweise ist ein bisher noch relativ wenig erforschtes Phänomen. Wir wissen nicht abschließend, warum wir Menschen oder Tiere gähnen. 

Warum gähnen Tiere?

Es gibt eine Theorie, die sagt: Gähnen kühlt das Gehirn und bringt so verschiedene Prozesse in Gang. "Wenn das stimmt, dann müsste die Gähnzeit in Proportion zur Hirngröße und zur Anzahl der Hirnzellen sein", sagt Wissenschaftsjournalist Reto Schneider. 

Ein Forscher, der das testen wollte, hat schließlich gähnende Tiere unterschiedlicher Größe auf Youtube gesucht - und gefunden. Auf diese Weise konnte er seine These schließlich prüfen.

"Der Forscher hatte auf einen Schlag 30, 40 verschiedene Tiere, von der Spitzmaus bis zum Elefanten und konnte tatsächlich diese These bestätigen."

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