Wir sind im Job, verdienen auch so viel Geld, dass wir etwas zurücklegen können – warum dann nicht in Eigentum investieren? Ob wir uns tatsächlich mal eine Immobilie leisten können, hängt aber auch von unseren Eltern ab – und vom Startkapital, das sie uns geben können.

Gerade in Zeiten, in denen die Kosten für das Wohnen in die Höhe steigen, denken manche vielleicht darüber nach, eine Wohnung einfach zu kaufen – anstatt weiter Miete zu bezahlen. Immobilien gelten schließlich noch immer als sichere Investition.

Ob sich jemand eine Immobilie leisten kann, hängt allerdings – gerade in Deutschland – stark davon ab, wie reich die Eltern sind. Denn: Sie können für das nötige Startkapital sorgen.

Zu dem Ergebnis kommen Soziolg*innen der Uni Konstanz in einer Studie. Dafür haben die Forschenden Daten aus Umfragen der Europäischen Zentralbank mit 26.000 Haushalten aus 20 europäischen Ländern ausgewertet, darunter Deutschland, Österreich, Frankreich, die Niederlande, Polen, Ungarn und auch Slowenien. Die Umfragen wurden zwischen 2010 und 2017 durchgeführt und blicken auf Menschen im Alter von 25 bis 40 Jahren. Für ihre Studie haben die Forschenden die Haushalte in fünf Gruppen eingeteilt, abhängig vom Vermögen der Eltern.

30 Prozent höhere Chance

Für Deutschland hat sich gezeigt: Die Haushalte aus der reichsten Gruppe hatten eine etwa 30 Prozent höhere Chance, eine eigene Wohnung zu besitzen als die Menschen aus dem ärmsten Fünftel. Für sie bleibt oft nur Mieten eine Option.

Diese soziale Ungleichheit beim Immobilienkauf kommt laut der Studie besonders in deutschsprachigen Ländern vor. In Ostmitteleuropa und in Südeuropa hänge es deutlich weniger vom Vermögen der Eltern ab, wer sich Wohneigentum leisten kann. Das bedeutet aber nicht, dass es in anderen europäischen Ländern für junge Menschen automatisch einfacher ist, nur kommt es dort eben nicht so stark auf die Eltern an.

Vermögen der Eltern auf für Kredite hilfreich

Die Studienergebnisse zeigen zudem, dass die Eltern auch bei der Chance auf einen Immobilienkredit eine Rolle spielen. Menschen mit vermögenden Eltern würden auch hier einen Vorteil haben – selbst in Ländern mit offenen Kreditmärkten; also dort, wo Menschen relativ leicht einen Immobilienkredit bekommen.

Das Ergebnis scheint paradox, so die Studienautor*innen. Sie haben dafür zwei Erklärungsansätze.

  1. In Ländern mit einem offenen Kreditmarkt sind die Immobilienpreise generell höher. Vermögen hilft weiterhin, um Eigentum zu kaufen.
  2. Schenken oder vererben Eltern ihren Kindern Geld macht ihnen es ein liberaler Kreditmarkt zusätzlich leichter, das Geld in Immobilien anzulegen, die Immobilie wird für sie eine Vermögensanlage.

Beides führe dazu, dass besonders diejenigen zu mehr Wohneigentum kommen, die ohnehin schon Vermögen innerhalb ihrer Familie von der einen zur nächsten Generation vererben. Auf dem Wohnungsmarkt verschärft das laut den Forschenden zusätzlich die Gentrifizierung, weil Menschen mit Startkapital von ihren Eltern vor allem in teureren Wohngegenden Eigentum kaufen würden.

Vermögen wird weiter vererbt

Die liberalen Kreditmärkte sehen die Forschenden hierbei allerdings nicht als ein Problem an, das die Chancenungleichheit verstärkt. Als positives Beispiel führen sie die Niederlande an. Dort gebe es einen liberalen Kreditmarkt und gleichzeitig einen gut kontrollierten Mietmarkt. Das reduziert die soziale Ungleichheit durch Vermögensanhäufung ein Stück weit, so die Studienautor*innen.

Sie fordern deshalb die Politik auf, dringend Lösungen zu finden, damit sich junge Menschen unabhängig vom Vermögen ihrer Eltern Wohneigentum leisten können. Laut der Forschenden ist die Übertragung von Vermögen von Eltern auf ihre Kinder eine der Hauptursachen sozioökonomischer Ungleichheit in Europa. Am Wohneigentum werde das am deutlichsten sichtbar.

  • Moderatorin:  Anke van de Weyer
  • Gesprächspartnerin:  Britta Wagner, Deutschlandfunk Nova