Die Europäische Union will die Zahnfüllung Amalgam komplett aus den Zahnarztpraxen verbannen. Der Grund: Gesundheitliche Risiken. Ein Grund für Panik und nervöses Kratzen an der Zahnfüllung ist das aber nicht.

Eigentlich ist Amalgam als Zahnfüllung eher ungefährlich. Das Problem ist aber das Quecksilber im Amalgam. Das ist eigentlich ein Nervengift und im Laufe der Jahre verliert eine Amalgamfüllung circa fünf Prozent des Quecksilbers. Ein wenig verdampft, beim Zähneknirschen kann sich auch so etwas lösen.

Amalgam: EU prüft komplettes Verbot bis 2030

Die EU-Politiker bewerten Amalgam als ungefährlich für Patienten. Trotzdem soll Mitte des Jahres 2018 erstmal Schluss sein mit der Amalgam-Füllung im Mund, jedenfalls für Kinder, Schwangere und stillende Frauen. Darauf haben sich die EU-Mitglieder, das EU-Parlament und die EU-Kommission geeinigt. In einem zweiten Schritt könnten die Zahnfüllungen aus Quecksilber und einer Feilungsmischung komplett verboten werden, die EU prüft das gerade - bis 2030 wird das mit einem möglichen Komplettverbot aber noch dauern.

"Interessant ist aber, dass die EU-Kommission gar nicht sagt, uns geht’s um die Gesundheit der Patienten, sondern es geht eher um alle anderen, die damit hantieren."
Sophie Stigler, DRadio Wissen

Dabei haben die EU-Politiker gar nicht unser gesundheitliches Wohl im Sinn. Ihnen geht es um die Gesundheit der Menschen, die mit dem Amalgam zu tun haben, bevor es bei uns im Mund landet. Dazu gehören etwa die Arbeiter, die Quecksilber abbauen oder die Zahnärzte selbst. "Auch in Krematorien ist das ein Problem, wenn Tote mit Amalgam-Füllungen verbrannt werden und dann womöglich giftige Dämpfe frei werden", berichtet Sophie Stigler von den DRadio-Wissen-Nachrichten.

Die Quecksilber-Katastrophe von Minamata

Quecksilber steht weltweit auf der Abschussliste, seit es im japanischen Minamata zu einer Umweltkatastrophe mit Quecksilber kam: Die Industrie hatte Trinkwasser und Boden mit Quecksilber verseucht. Die Folge waren fast 20.000 erkrankte Menschen. Sie litten unter Lähmungen oder Psychosen, einige fielen ins Koma und tausende starben auch.

Das führte letztlich zur zur Minamata-Konvention, die auch die aktuelle Amalgam-Entscheidung beinhaltet - ein solches Unglück dürfe nie wieder passieren.

Die Zahnärzte waren übrigens gegen das Amalgam-Verbot. Sie schätzen das Material als leicht zu verarbeiten, außerdem ist es billiger als eine Goldfüllung und soll länger halten als Keramik.